Vor jedes richtige Happy-End schiebt sich noch ein Rückschlag, nach dem es aussieht, als ob alles verloren sei. Für den Bordelumer Pastor Jürgen Spanuth kam. dieser Rückschlag am 24. Juli 1950, als die Royal Air Force einen besonders massierten Bombenabwurf auf Helgoland und Umgebung in ihrem Programm hatte. Er, der Pastor, glaubte seit zwei Jahren, der Lösung des "Atlantis"-Problems auf der Spur zu sein, und vermutete Reste der von Platon geschilderten Königsburg der Atlanter an jener Untiefe fünf Seemeilen nordöstlich von Helgoland, die die Helgoländer den "Steingrund" nennen und wo sie ihre besten Hummer fangen. Aber es fehlte noch der Beweis. Darum hatte er sich einen Taucher mitgebracht, der in neun Metern Tiefe den "Steingrund" abschreiten und feststellen sollte, ob er Mauern und Wälle anträfe. Als aber der Taucher auf dem Grund angekommen war und durch das Telefon seine erste Beobachtung meldete, dröhnten die Staffeln heran, und schwere Bomben explodierten unter Wasser. Der Taucher mußte schleunigst wieder an Bord gezogen werden. Als die Bomber abflogen, kam Sturm auf. Der kleine Dampfer steuerte in sternenloser Nacht Cuxhaven an ...

Das Happy-End

Erst die Freigabe von Helgoland machte einen neuen Versuch möglich, diesmal vom Hafen der Felseninsel aus. Und nun kam, nach zwei weiteren Jahren voll Ungeduld und selbstkritischer Ungewißheit – lohnt sich die Mühe, lohnt sich der Aufwand, lohnt sich das Risiko der Lächerlichkeit? – das Happy-End. Am 31. Juli 1952 ist die See einigermaßen ruhig. Das Forschungsschiff läuft aus dem Helgoländer Hafen aus. Nach genau 43 Minuten läßt der Pastor stoppen und Anker auswerfen. Der Taucher Beelte steigt mit seinem Telefon in die Tiefe, neun Meter. "Ich sehe einen hohen Wall aus Steinen ...", meldet er. Jeder Stein ist zwei Meter breit und einen lang. Der Wall ist zwei Meter hoch. Ein zweiter Wall, in sechs Meter Entfernung, läuft parallel zu dem ersten. Die Steine sind zum Teil rot, zum Teil weiß. "Ich kann kein Ende der beiden Wälle erkennen ..." Das Echolot ergänzt seine Beobachtungen: die Wallanlage ist 927 Meter lang, eine halbe Seemeile – genau die Länge ("fünf Stadien"), die Platon in seinem Dialog "Kritias" als Länge der Mauer um die Burg des Königs von Atlantis angibt.

Es stimmt! Die Mauern, die Gräben, der Umfang, die Entfernung von der Felseninsel (bei Platon: "50 Stadien"), die Farbe der Steine – alles stimmt! Sogar der Bernstein ("Orichalkos"), von dem Platon erzählt! Die Kombinationen des Pastors in seiner Bordelumer Studierstube sind durch den Taucher und das Echolot bestätigt. Mühe, Aufwand und Risiko haben sich gelohnt, meint Pastor Spanuth – und ist zufrieden.

Entdeckung oder Phantasterei?

"Atlantis, die Königsinsel des atlantisch-germanischen Reiches der Bronzezeit, ist wiedergefunden und das Rätsel dieser geheimnisvollsten Stadt der Weltgeschichte’ gelöst." So schreibt der Pastor selbst in seinem ausführlichen Bericht, der soeben als Buch erschienen ist (Jürgen Spanuth "Das enträtselte Atlantis Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart).

Können sich noch Zweifel an der Lösung behaupten? Ist Pastor Spanuth ein zweiter Schliemann oder ist er nur einer jener vielen "Atlantomanen", deren Hypothesen und Spekulationen bis jetzt 2000 Bände füllen, nicht gezählt die Aufsätze? Spanuth selbst macht die Antwort auf diese Frage nicht leicht. Denn er hat sich nicht damit begnügt, Atlantis zu finden, sondern er ist zudem noch überzeugt, das Reich der Phäaken, wo Homer den Odysseus so schöne Tage verbringen läßt, habe seine Königsburg eben hier am "Steingrund" gehabt. Ja, und er sagt auch noch, daß die Philister des Alten Testaments einer jener germanischen Stämme waren, die nach der großen Sturmflut, von der die Königsburg bei Helgoland überschwemmt wurde, die große Wanderung nach Süden antraten, Griechenland fast ganz eroberten, die Küste von Syrien besetzten und fast das Pharaonenreich zerstört hätten ...