Unsere deutsche Rohölförderung hat sich günstig entwickelt. Sie stieg von 0,635 Mill. t in 1948 über 0,842 Mill. t (1949), 1,119 Mill. (1950), 1,367 Mill. (1951) auf 1,755 Mill. t in 1952. Für dieses Jahr erwartet der Vorsitzende des "Wirtschaftsverbandes Erdölgewinnung", Direktor Teile, mindestens 2 Mill. t. Damit wären wir in der Lage, ein Drittel unseres gesamten Rohölbedarfs zu decken.

Vergleicht man allerdings unsere Gewinnung mit der außereuropäischen, so erklärt sich, weshalb unsere Erdölgewinnung auf höhere Erlöse angewiesen ist. Von den 618 Mill. t Rohöl, die 1952 in der Welt gefördert wurden, entfallen mehr als 50 v. H. auf die Vereinigten Staaten. Unter den 400 000 Bohrungen, die in den USA produktiv ausgenutzt werden (bei uns sind es 2178), befinden sich, wie Prof. Dr. Bentz in Hannover ausführte, viele mit der bescheidenen Förderleistung von 1 bis 2 t pro Tag. Der Unterschied zu den westeuropäischen Feldern liegt jedoch in der viel größeren Ausdehnung der amerikanischen Felder. Ihre Länge erreicht oft über 100 km, während bei uns Ausdehnungen bis zu 10 km die Regel sind. Wie wenig wir erst recht mit dem Nahen Osten konkurrieren können, erhellt daraus, daß z. B. die letzte Jahresproduktion des Irak von 19 Mill. t aus nur 24 Bohrungen resultierte. Demgegenüber mußten wir bei einer Förderung von nicht mal einem Zehntel einen fast hundertfachen Bohraufwand treiben.

Die Fördersteigerung in Westdeutschland war nur durch eine große Anzahl von Aufschluß- und Erweiterungsbohrungen möglich. Ihr Anteil an dem gesamten Bohraufwand beträgt etwa 45 v. H. Nach Ansicht von Prof. Bentz gilt in den USA schon ein Anteil von 10 oder 20 v. H. als große Anstrengung. Das kostenmäßige Handicap wird also für unsere Förderung bleiben. Direktor Teile hält einen Durchschnittserlös von etwa 170 DM für die t zur Kostendeckung für unbedingt notwendig (der Preis für Importrohöl cif Hamburg liegt bei etwa 110 DM). Der Zollschutz, den unsere Gewinnung genießt, ist darum aus Gründen der Devisenersparnis gerechtfertigt, zum andern durch die Verlagerung von Beschäftigung aus dem Ausland in das Inland. td.