Von Professor Dr. Paul Schütz

Wie es zugeht, daß ein Mensch das Osterereignis als wirkliches Geschehnis hinnimmt, diese Frage muß offenbleiben. Man kann höchstens darauf hinweisen, daß das Auferstehungsereignis nicht weniger absurd ist, als es das Ereignis des Menschen schlechthin ist, und daß diese beiden Geheimnisse sich untergründig miteinander berühren, zueinander "stimmen" und einander in ihrer Unhaltbarkeit dennoch halten.

Wie es zugeht, das also bleibt unaufhellbar, ganz besonders für uns Heutige. Denn der schmale Sehwinkel, den unser rationales, wie auch unser existentiales Denken sich gestattet, klammert jene Qualität des Wirklichen aus, die die Auferstehung von Jesus Christus hat.

Es besteht schlechterdings keine Möglichkeit, das Osterereignis in einem kausalen Gefüge sich gefügig zu machen. Auch führt hier kein Weg vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, vom Schattenbild zum Wesen, österlich denken heißt hier den umgekehrten Weg nehmen. Paul Claudel denkt die Welt – bewußt oder nicht – vom Auferstandenen her, wenn er. sagt; "daß wir durch die unsichtbaren Dinge zur Kenntnis der sichtbaren gelangen."

Ein Ostergespräch kann demnach nur dann noch einen Sinn haben, wenn die Möglichkeit besteht, die Geschichte von ihrem Ziel her, also von dem Ort her, den sie noch nicht erreicht hat, zu sehen. Dieses Ziel aber ist das Heil. Der Auferstandene beansprucht, das Heiltum Gottes zu sein. Nur wenn die Geschichte als Heilsgeschichte, wir können auch sagen, nur wenn die Welt als heilende Welt – und sei es nur von ferne – erkennbar wird, dann hat ein solches Gespräch seinen Sinn.

I

Es ist eine alte Tradition, die das Osterereignis als Beginn des Weltgerichts begreift. Es ist das Gericht, das der Auferstandene hält. Ein Gericht also, das die ewige Liebe übt. Ein Gericht, dessen Entsetzen – das nämlich ist seine Logik – mit jedem Atemzug umschlägt in Freude. Ein Gericht, in dem die wahre, alleinige Ur-Teilung ausgerichtet wird, in dem der Welt je ihr Ur-Teil zugemessen wird: im Nein zuerst, denn es ist Gericht. Und im Ja zuletzt, denn dieses Gericht heilt.