Auf die Möglichkeit, auch innerhalb des Landes fehlgeleitete Vertriebene "umzusetzen", haben sich die Flüchtlingsländer vor gar nicht allzu langer. Zeit besonnen, als sie erkannten, daß mit den in andere Länder umgesiedelten Flüchtlingen auch die Wohnungsbaumittel und mancher Kredit zur Wirtschaftsförderung in diese Länder flossen.

Eine erste größere Gelegenheit zur praktischen Erprobung der "inneren Umsiedlung" ergab sich in Niedersachsen bei der Erweiterung des Martinwerks Georg-Marienhütte bei Osnabrück. Vom Wirtschaftsministerium, das Kreditmittel vermittelt hatte, war dem Werk die Anregung zugegangen, sich auch mit dem Flüchtlingsministerium in Verbindung zu setzen. Dieses Ministerium kam dann mit der Werkleitung überein, über eine Baugenossenschaft für Flüchtlingswohnungen Mittel des sozialen Wohnungsbaues bereitzustellen. Dafür sicherte die Werkleitung zu, daß hundert Arbeitskräfte aus dem Regierungsbezirk, Osnabrück und hundert aus den übrigen Bezirken des Landes herangezogen werden sollten (über die Arbeitsverwaltung).

Schwierigkeiten bereitet allerdings der Mangel an Fachkräften unter den arbeitslosen Flüchtlingen. Die Firmen sind im allgemeinen bereit, mit einem Facharbeiter auch sechs bis acht ungelernte Kräfte aufzunehmen. Aber der Mangel an Fachkräften ist bereits so groß, daß verschiedentlich Anwerbungen aus anderen Ländern erfolgten, für die meist keine Mittel aus dem sozialen Wohnungsbau gegeben werden konnten. Ob es gelingen wird, einige Werke der neu zu bildenden Flugzeugindustrie in Niedersachsen zu etablieren, wird davon abhängen, ob es gelingt, den Facharbeiterstamm zu stellen.

Es ist schon erwogen worden, die ungelernten Flüchtlinge anzulernen. Man verwarf diesen Gedanken aber bald, nicht allein der Kosten wegen, sondern weil die Werke betonen, sie wollten ihre Kräfte selbst ausbilden. Die Firmen mit großen Lehrlingswerkstätten wurden gebeten, ihre Ausbildungskapazität über ihren normalen Bedarf an Nachwuchs hinaus zu erweitern. Vermutlich wird sich ein im Volkswagenwerk Ausgebildeter auch als Fachkraft in anderen Arbeitsplätzen unterbringen lassen. Hemmend macht sich hier die ungenügende Fassung des § 302 des Lastenausgleichgesetzes bemerkbar, der Mittel für die Ausbildungsförderung in Lehrwerkstätten bei bestehenden Betrieben nicht vorsieht. td