Wer früher seine Lebensweise reformierte, sagte der Mode und den zierlichen hohen Absätzen der Damenschuhe ab und schritt auf den flachen Schuhen der Vernunft einher. Jetzt ist es anders: Vernunft ist Mode geworden. Modern ist, seine Ernährung zu reformieren. Die Entgiftung des Körpers ist der dernier cri im Frühling.

Welch angenehmer Gedanke, daß die giftigen Sünden des Winters in sieben kurzen Frühlingstagen ungeschehen gemacht werden können! Dennoch ist der Entschluß, eine Woche lang von Obst- und Gemüsesaft, von Joghurt und Kräutertee zu leben, nicht leicht. Erst vor dem Spiegel reift dieser Entschluß heran. Ist er aber erst gefaßt – gleich fühlt man sich frischer. Die Welt sieht anders aus.

Viele Wege können zum gleichen Resultat führen. Entscheidet man sich dafür, die winterlichen Schlacken nach der Methode von Hauser zu entfernen, beginnt eine Woche lang der Morgen mit einem großen Glas frischen Fruchtsaftes. Das Frühstück besteht aus Obst oder einem Teller honiggesüßtem Kompott und Pfefferminztee. Nur wenn es gar nicht anders geht, soll man in dieser Woche Kaffee trinken. Frischer Grapefruitsaft und Joghurt, Gemüsebrühe und Pfefferminztee mit Zitrone und Honig helfen über den mageren Vormittag hinaus. Mittags darf man sich dann an zweierlei schnellgekochten Gemüsen, grünen Salaten, Kompott oder einem Bratapfel, Joghurt und wieder einem Kräutertee erlaben. Nachmittags gibt es einen halben Liter Gemüsesaft, Äpfel, Obstsaft, Pfefferminztee, noch einmal Joghurt. Und abends nimmt man Gemüsebrühe, grünen Salat mit Tomaten, Obst zu sich und natürlich wieder Joghurt und Kräutertee. Ein Bad mit Zusatz von Epsomsalz mag den giftlosen Tageslauf beschließen.

Soweit Hauser. Weniger herbe Verfahren andere Verordnungen mit dem Patienten: sie lassen ihm achtzehn Tage Zeit und geben ihm etwas mehr zu essen. In einem allerdings sind alle Vorschläge gleich: sie schalten den Genuß von Fett aus und veranlassen den Körper so, vom eigenen Bestand zu nehmen, also das zu verbrauchen, was man los sein möchte.

Hat man den ersten Tag giftfreien Lebens hinter sich, stellt sich schon Wohlbefinden ein und Erleichterung, die an die Grenze der Läuterung rührt. Man fühlt sich ein wenig als einziges Mitglied einer Sekte mit geheimem Ziel. Und wirklich ist man – bis auf die kurzen Momente, da man den Kaffee neuer Ernte im Schaufenster sieht oder entdeckt, daß eine angebrochene Packung mit Zigaretten in der Schublade liegt – entschlossen, das Ziel nicht aus dem Auge zu lassen. Mit jedem Tage wird man leichter, schlanker, ansehnlicher. Schon der Glaube versetzt für Fett. Tatsächlich sind aber Ärzte und Ernährungsexperten zur Stelle, uns in unserem Glauben zu stützen und unser Empfinden mit Erkenntnissen zu untermauern. Man tut also gut daran, sich mit einem Arzt zu beraten und eine exakt ausgearbeitete Liste für die Entschlackungskur zu benutzen. Man vermeidet so am sichersten, am Ende der Mühen zwar mager, aber müde zu sein anstatt straff und schlank. R. H.