H., Paris, Ende März

Die afrikanische Wirtschaft ist in raschem Ausbau begriffen. Zugleich erfährt der Afrikahandel eine bedeutsame Entwicklung. Die Organisation von Handel und Gewerbe ist auch heute noch von jener in Europa grundverschieden, zumal die großen Handelsgesellschaften im schwarzen Kontinent Unternehmen darstellen, wie sie in Europa unbekannt sind. Sie besorgen nicht nur den Import und Export von Waren, sondern gleichzeitig den Detailverkauf und den Transport, sie besitzen Warenläden, Schiffe, Fabriken und Plantagen und verkaufen ebenso Sardinen wie Neskaffee, Automobile und Kleider...

Um 1870–1880 kam es zur Gründung jener großen Afrikagesellschaften, die heute noch eine bedeutende Rolle spielen, wie Buhan & Tesseire, Maurel Frères und u. a. Pozzo di Borgo. Diese Unternehmen begnügten sich nicht nur damit, Handel zu betreiben, sondern legten selbst Plantagen an. Sie trugen in bedeutendem Maße zur Durchdringung des schwarzen; Erdteils bei, und in allen größeren Orten wurden Faktoreien gegründet. Die größten Handelsunternehmen beschränkten im übrigen ihre Tätigkeit nicht nur auf die französischen Besitzungen, sondern haben auch in den britischen and portugiesischen Territorien Westafrikas Niederlassungen. Ebenso arbeiten übrigens die britischen Handelsfirmen in Kamerun und in Französisch-Äquatorial-Afrika. Man denke nur an "Unilever", die in allen Territorien Filialen tat, an die Firma John Holt, deren Läden man der Küste entlang zwischen Togo und Gabon findet, die G. B. Ollivant Ltd., und die in Togo, in Dahomey und in Oubangui Fuß faßte.

Der Afrikahandel ist also von großen Gesellschaften beherrscht. Aber diese haben nur in den Städten und größeren Ortschaften ihre Büros. In den Dörfern und kleinen Orten des Senegal, des Sudans und der Haute Volta ist der Detailhandel zumeist in den Händen von

Syriern die als Zwischenhändler zwischen den Eingeborenen und den großen Gesellschaften arbeiten. Im Süden des Kamerun und in Äquatorial-Afrika trifft man im Detailhandel vor allem auf viele Griechen und Portugiesen. Auch in einem Teil des belgischen Kongos sind Griechen als Händler tätig, während von Bangui bis nach Elisabethville die Portugiesen den Detailhandel beherrschen...

Mit dem Ausbau der afrikanischen Wirtschaft nach festen Wirtschaftsplänen änderte sich auch die Struktur des Handels. Die europäische Bevölkerung wächst in diesen Territorien rasch. Man importiert nun auch Traktoren und Automobile, Lastkraftwagen und Luxusartikel. Seit wenigen Jahren findet man in Dakar und in Abidjan, in Duala und in Brazzaville Modegeschäfte und sogar Läden mit Luxusartikeln. Die großen Handelsunternehmen spezialisieren ihrerseits ihre Aktivität. So erreicht z. B. der Automobilimport der "Société Commerciale de l’Ouest Africain" (S. C. O. A.) allein 12 v.H. des Jahresumsatzes. Vor dem Krieg wurden fast überhaupt keine Automobile eingeführt. Die Zollstatistik ist in diesem: Zusammenhang bezeichnend: 1938 wurden 16 v.H. Ausrüstungsmaterial und weniger als 10 v. H. Rohmaterial nach den französischen Besitzungen Afrikas importiert. Diese Exportziffern sind heute auf 33 und 15 v.H. gestiegen. Die Konsumgüter hingegen, die vor dem Krieg 75 v. H. des Gesamtimportes betrugen, sind auf 50 v. H. des Gesamtimportes zurückgegangen.

Seit einem Jahr etwa gibt es in den französischen Besitzungen des schwarzen Erdteils eine Krisenstimmung, die die weitere Entwicklung der afrikanischen Wirtschaft hemmt. Jene, die rasch vorwärtskamen, stellen sich nun die Frage, ob sie nicht zu rasch in die Höhe strebten und falsch spekuliert haben. Nun besteht freilich kein Zweifel, daß der rasche Aufschwung der afrikanischen Wirtschaft eng mit dem Rohstoffbedarf der Westmächte und der Bedeutung des schwarzen Kontinents als strategische Basis in Zusammenhang stand. Aber es steht ebenso fest, daß diese Entwicklung auch ohne internationale Spannung, wenn auch in langsamerem Tempo, erfolgt wäre, wie es klar ist, daß sich die Evolution im schwarzen Afrika auf allen Gebieten fortsetzen wird, wie immer sich auch die weltpolitischen Strömungen wenden mögen. Nicht nur, weil der schwarze Kontinent die künftige Rohstoffbasis der Industrie des europäischen Kontinents ist, sondern weil auch die geistige Emanzipation der Bewohner Afrikas auf der Tagesordnung der Geschichte der Gegenwart steht.