Von der gesamten Chemieerzeugung in der Welt fielen vor dem Kriege auf Deutschland etwa 22 v. H. 1951 waren es nur noch 5,8 v. H., obwohl der Wert der Produktion sich Von 5,9 Mrd. RM auf 9,7 Mrd. DM erhöht hatte. Damals war Deutschland nach den USA das führende Chemieland. Heute aber ist es von Großbritannien und der UdSSR überholt, und Frankreich ist gefährlich nahegerückt. Es ist dies mit eine Folge des Ausnahmerechtes, unter dem bis in diese Tage der Gesamtkomplex der IG Farben gestellt war. Den Werken war es nicht möglich, sich die Mittel zu verschaffen, die sie brauchten, um den Anschluß an die Neuentwicklung der Chemie zu finden.

Die drei großen Nachfolgegesellschaften müssen jetzt vor allem danach trachten, ihre Eigenkapitalbasis zu erweitern. Wie stark dieser Gedanke im Vordergrund aller Überlegungen steht, ließ bereits die Diskussion zwischen den Verwaltungen und den Aktionärvertretungen um das Umstellungsverhältnis erkennen. Das aber gehört der Vergangenheit an. Im Augenblick sind die Werke dabei, ihre Bücher offenzulegen, um zu zeigen, daß die Unternehmen, so wie sie heute dastehen, finanziell gesund sind und daß es sich lohnt, eine Beteiligung bei. ihnen zu erwerben. Die Farbwerke Hoechst AG. vormals Meister Lucius & Brüning in Frankfurt (Main)-Höchst, deren Stammfirma 1863 gegründet wurde, ist als kleinste der drei Nachfolgegesellschaften an einer Verbreiterung der finanziellen Basis am stärksten interessiert. Das Unternehmen zeigt in einer auf den 1. Januar 1952 zurückgerechneten Vermögensübersieht, daß sein Anlagevermögen und seine Vorräte im Wert von 460 Mill. voll durch die eigenen Mittel des Unternehmens gedeckt sind. Den Verbindlichkeiten und Rückstellungen in Höhe von zusammen 128,4 Mill. stehen Forderungen und flüssige Mittel in einem Betrag von 128 Mill. gegenüber.

Diese wenigen Zahlen lassen zwei hervorstechende Momente erkennen. Einmal ist dies die hohe Liquidität, die, wie eine aufgegliederte Vermögensaufstellung zeigt, noch dadurch verstärkt wird, daß die Forderungen kurzfristiger sind als die Verbindlichkeiten und Rückstellungen. Man wird dies in einer Zeit, in der der Aufbau der Wirtschaft vor allein durch eine kurzfristige Verschuldung der einzelnen Unternehmungen erfolgt ist, besonders bemerken müssen. Hierbei ist es völliggleichgültig, ob dies, auf eine Tugend oder auf die Schwierigkeiten zurückzuführen ist, die einer umfangreichen Verschuldung der bis jetzt unter Kontrolle stehenden Werke der IG-Farben entgegenstanden. Das zweite hervortretende Merkmal ist die sehr starke Ausrüstung des neuen Unternehmens mit Rücklagen, was naturgemäß zu einem Teil darauf, zurückzuführen ist, daß das Unternehmen bei aller vorsichtigen Bewertung seine Reserven möglichst offen ausgewiesen hat. Hiermit war es wahrscheinlich gut beraten, denn mit der Zurverfügungstellung neuen Kapitals durch das Publikum, kann im Augenblick nur der rechnen, der seine Vermögensverhältnisse offenlegt. W. R.

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Unmittelbar nach der Konstituierung der Farbenfabriken Bayer AG, Leverkusen, ist das Unternehmen aus der alliierten Kontrolle entlassen worden. Mit 387,7 Mill. DM AK, 33 500 Beschäftigten und 825,6 Mill. DM Umsatz in 1952 – der 1953 eine Mrd. DM überschreiten dürfte – ist die ehemalige rheinische Gruppe der IG Farbenindustrie das größte Nachfolgeunternehmen geworden. Es umfaßt die Werke Leverkusen. Elberfeld, Dormagen und Uerdingen als unmittelbare Produktionsbetriebe, sodann in Form von 100 %igen Tochtergesellschaften die mit 30 Mill. DM kapitalisierte Agfa AG für Photofabrikation. Leverkusen, und die mit 13,6 Mill. DM kapitalisierte Agfa Camera-Werk AG, München. Ferner bestehen Beteiligungen zwischen 23,4 bis 100 v. H. an 14 weiteren Unternehmen, darunter 30,17 v. H. – 7,24 Mill. DM von 24 Mill. DM AK an der Duisburger Kupferhütte.

Generaldir. Dr. Ulrich Haberland meint, daß nun endlich die Zeit der alliierten Klimmzüge und der Strampeleien um die Entflechtung sowie die Ära der Überflutung fotografierender und spionierender ausländischer Kommissionen abgeschlossen sei und die eigentliche Arbeit beginnen könne. Die zum 1. Januar 1952 aufgestellte EB. weist neben dem AK Rücklagen in Höhe von 236,3 Mill. DM aus, andererseits Anlagen mit 446,18 Mill. DM, davon 55,4 Mill. DM durchschnittlich zu Pari bewertete Beteiligungen. Der Gegenwartswert der Lastenausgleichsabgabe wird mit 210,9 Mill. DM angegeben und mit 169,6 Mill. DM passiviert. Die Vierteljahresrate beträgt für Bayer 3,35 Mill. DM, jährlich mithin 13,4 Mill. DM oder rund 3 1/2 v. H. des AK. Die mit 390 Mill. DM vorgenommene Aktivierung der Betriebsanlagen dürfte als vorsichtig bezeichnet werden. Das Unternehmen hatte in den letzten Jahren umfangreiche Investitionen vornehmen können, die 1951 fast viermal höher lagen als 1938. Nur ein sehr kleiner Teil entfiel dabei auf die Kriegsschädenbeseitigung. Die jährliche Investitionssumme hat zuletzt bei nicht wenig über 100 Mill. DM gelegen. Sie wurde fast ausnahmslos aus Abschreibungen und Gewinnen aufgebracht. Das noch offene Investitionsprogramm beträgt mehrere 100 Mill. DM, zu dessen Finanzierung eine jährliche Abschreibungssumme von etwa 60 Mill. DM herangezogen werden kann. -elt

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