Ob das Handwerk wieder, wie einst, einen goldenen Boden haben wird, muß die Zukunft lehren. Immerhin haben die 830 000 westdeutschen Handwerksbetriebe, denen die von den Amerikanern praktizierte Form der Gewerbefreiheit seit jeher ein Dorn im Auge war, die "Handwerksordnung" lebhaft gefordert, und der Bundestag hat auch in seltener Einmütigkeit jene Zeiten beendet, in denen im US-Besatzungsgebiet eine Postkarte an das Gewerbeamt und das Finanzamt zur Eröffnung eines Handwerksbetriebes genügte. Von jetzt ab muß jedoch wieder der Befähigungsnachweis erbracht werden. Es gibt wieder die Handwerksrolle, die öffentlich-rechtlichen Innungen, Kreishandwerkerschaften, Landesinnungsverbände und Handwerkskammern –, alles wohlgeordnet und gesetzlich sanktioniert wie früher. In einer Liste mit 91 Gewerben sind die Handwerke aufgezählt, für die der Befähigungsnachweis erforderlich ist. Elegant wurde dabei die Zweifelsfrage umgangen, ob der Befähigungsnachweis mit dem Artikel 12 des Grundgesetzes über die freie Berufswahl vereinbar sei. Immerhin kann auch derjenige in die Handwerksrolle eingetragen werden, der keine Meisterprüfung ablegen will, aber die für seinen Beruf erforderlichen Kenntnisse nachweist. Endgültig wurde auch der numerus clausus beseitigt, jene Bestimmung, die einst das "Bedürfnis" für die Errichtung eines Handwerksbetriebs prüfte, das Schreckgespenst alter Zunftherrlichkeit. – In der Bundes-, tagsdebatte geisterte hie und da der Schatten der kommenden Bundestagswahlen. Es wird deshalb entscheidend darauf ankommen, was man künftig aus der Handwerksordnung macht: ein Zunftgesetz alter Prägung oder die Basis für eine neue Blüte handwerklicher Leistung ... gg