Großbritanniens Konkurrenzangst und der damit verbundene Konkurrenzneid nehmen langsam Ausmaße an, die nun selbst in England erhebliches Kopfschütteln auslösen. Eigentlich sind die ständigen Wutausbrüche einzelner Industriekreise über entgangene Aufträge der traditionellen britischen Haltung unwürdig, und fast könnte man zu der Folgerung kommen, daß es dem britischen Weltreich doch sehr schlecht gehen muß, wenn die Industrie der Insel bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit über die böse Konkurrenz wettert, unter der Albions Handel zu sehr zu leiden hat...

Besonders schlimm ist es, wenn die der britischen Industrie entgangenen Aufträge auch noch nach Deutschland gehen! Dafür gab es dieser Tage ein beredtes Beispiel, Der Nationale Kohlenrat hatte die Lieferung einer Gruben ausrüstung im Werte von 500 000 £ (5,6 Mill. DM) dem Werk Sterkrade der Gutehoffnungshütte erteilt, weil das deutsche Unternehmen gegenüber den in Betracht kommenden englischen Firmen eine um 18 Monate kürzere Lieferzeit zusagen konnte. Die Folge waren böse Kommentare der sich übergangen fühlenden britischen Unternehmungen. Man sprach davon, daß die Vergebung des Auftrags an eine deutsche Firma "unverständlich" und die englische Industrie durch einen erheblichen Auftragsmangel bedroht sei. Folgerung: ein derartiger Auftrag gehört in britische Hand!

Sehr viel vernünftiger – und wohl auch europäischer – reagierte der Nationale Kohlenrat, der die verstaatlichten Zechen Großbritanniens leitet: es wäre unverantwortlich, die Ausführung des Auftrages bei Berücksichtigung britischer Firmen um 18 Monate zu verzögern, zumal das Entwicklungsprogramm für den Bergbau ohnehin weit hinter den Plänen zurückgeblieben sei. – Diese Abfuhr hätten sich die britischen Firmen eigentlich ersparen können. ww