Der Senat der Vereinigten Staaten hat die Ernennung von Charles E. Bohlen zum Botschafter in Moskau, die Präsident Eisenhower Ende Februar ausgesprochen hat, nach langen Kämpfen im "Außenpolitischen Ausschuß" des Senats erst jetzt bestätigt, obwohl der Präsident im Hinblick auf die Neuordnung in der Sowjetunion nach dem Tode Stalins darum gebeten hatte, die Bestätigung so schnell wie möglich vorzunehmen.

Die Verzögerung war dadurch hervorgerufen, daß eine kleine, aber einflußreiche Gruppe republikanischer Senatoren der äußersten Rechten, zu der vor allem der Senator McCarthy gehört, die Ernennung von Bohlen mit allen Mitteln bekämpfte. Sie fanden Unterstützung bei dem demokratischen Senator McCarran, dem Verfasser des nach ihm benannten Einwanderungsgesetzes, das von seinen zahlreichen Gegnern im In- und Ausland als der "Papierene Vorhang der USA" bezeichnet wird.

Ihnen allen war Bohlen allein schon deshalb verdächtig, weil er unter Roosevelt und Truman im Auswärtigen Dienst gearbeitet hat. Bohlen gehörte zusammen mit George Kennan zu dem kleinen Kreis jener jungen Beamten im State Department, die 1930 damit begonnen hatten, sich für eine mögliche Wiederaufnahme der diplomatischenBeziehungen mit Rußland systematisch vorzubereiten. Beide wurden 1933 an die neu eröffnete Botschaft nach Moskau versetzt. Im Jahre 1952 wurde Kennan zum Botschafter in Moskau ernannt, aber bereits nach kurzer Tätigkeit vom Kreml zur persona ingrata erklärt. Zu seinem Nachfolger ernannte Präsident Eisenhower Charles E. Bohlen. Als das russische Agrement eingetroffen war, forderte der Präsident die Bestätigung des Senats.

Aus den Beratungen im Außenpolitischen Ausschuß des Senats war leicht zu ersehen, daß Bohr Jens Tätigkeit unter Roosevelt und Truman allein nicht genügen würde, seine Bestätigung zu verhindern. Da behaupteten seine Gegner unter Führung von McCarthy, daß sich aus den Erhebungen der bundesstaatlichen Geheimpolizei (FBI) ergebe, Bohlen habe "Verkehr mit liederlichen Personen" gehabt und müsse daher für die Staatsicherheit als ein Risiko betrachtet werden. Außenminister Dulles wies diese Vorwürfe auf Grund seiner genauen Kenntnis der polizeilichen Ermittlungsakte als böswilligen Klatsch zurück. Nunmehr erklärte McCarthy, der Außenminister müsse eine unwahre Darstellung gegeben haben, da der Leiter der Abteilung für Sicherheit im State Department, Scott McLeod, sich geweigert habe, eine Unbedenklichkeitserklärung für Bohlen zu erteilen.

Die Gefahr einer Erweiterung des Risses in den Reihen der republikanischen Senatoren veranlaßte ihren Führer, Senator Robert Taft, zur endgültigen Klarstellung des Falles und in teilweisem Entgegenkommen auf eine Forderung McCarthys den Antrag zu stellen, zwei Mitglieder des Außenpolitischen Ausschusses sollten die Originalakte des FBI über Bohlen einsehen. Obwohl Eisenhower, wie vor ihm Truman, grundsätzlich den Standpunkt einnimmt, daß Personalakten des FBI keinem Kongreßausschuß zur Einsichtnahme vorgelegt werden dürfen, machte Eisenhower in diesem Falle eine für die Zukunft nicht unbedenkliche Ausnahme, indem er auf den Antrag Tafts einging. Nach einer Prüfung der Akten erklärten die Senatoren Taft und Sparkman (Demokrat), daß sie in Übereinstimmung mit Edgar Hoover, dem Chef des FBI, davon überzeugt seien, daß die Akten nichts enthielten, was eine Bestätigung Bohlens ausschließen könnte. Aber selbst diese Erklärung konnte die Opposition nicht befriedigen. McCarthy schlug sogar vor, Bohlen solle sich freiwillig einer Untersuchung durch den Lügendetektor unterziehen! Jetzt griff Präsident Eisenhower persönlich ein. In einer Pressekonferenz erklärte er, daß nicht Außenminister Dulles, sondern er allein Bohlen zum Botschafter ausgewählt habe, und daß er nach einer sorgfältigen Prüfung und persönlichen Rücksprache mit Bohlen, den er seit vielen Jahren gut kenne, zu der Uberzeugung gelangt sei, daß Bohlen der am besten geeignete Botschafter auf dem Moskauer Posten wäre. Damit wurde der Fall Bohlen zu einer Prestigefrage des Präsidenten, der dann auch bei der Abstimmung im Senatsplenum mit 74 gegen 13 Stimmen die von ihm gewünschte Bestätigung Bohlens erhielt.

Der Fall Bohlen war die erste bis zur Entscheidung durchgekämpfte Auseinandersetzung zwischen dem Präsidenten und jenem Flügel seiner Partei, der die Auffassung vertritt, daß das amerikanische Volk bei der letzten Wahl den Republikanern den Auftrag erteilt habe, alles, was in irgendeiner Form als eine Übernahme oder Fortsetzung der Politik der demokratischen Präsidenten Roosevelt und Truman angesehen werden könnte, mit Stumpf und Stiel auszurotten. Aus diesem Grunde ist es einem McCarthy völlig gleichgültig, wer an der Spitze der Regierung steht und wer das State Department leitet. Daher bestehen zwischen Präsident Eisenhower und dem McCarthy-Flügel der republikanischen Partei unüberbrückbare Gegensätze. Im Falle Bohlen endete der Konflikt mit einem eindrucksvollen Sieg des Präsidenten. Ernst Krüger