Im Rainer Wunderlich Verlag (Hermann Leins, Tübingen) erschien ein kleines Buch "Fröhliche Himmelfahrt – oder die höchst merkwürdigen Grablieder des Ritters Michael von Jung weiland Pfarrer zu Kirchdorf in Schwaben". 1839 wurden diese Grablieder des "Pfarrers im Kirchdorf bei Memmingen" zum ersten Male gedruckt. Der Pfarrer Jung berichtet von seinen "Grabliedern", er habe "die meisten ... auf Gräbern gesungen" und schon seit 26 Jahren die Beobachtung gemacht, "daß sie mit mehr Aufmerksamkeit angehört werden als Leichenreden". Aber das bischöfliche Ordinariat war anderer Ansicht und schrieb am 17. Oktober 1837 dem Pfarrer Jung: "Wir haben mit Bedauern gefunden, daß die Lieder im Ganzen nicht eben viel religiösen ... Gehalt und noch viel weniger poetischen Wert haben ... und insbesondere die Vorstellung häufig unwürdig ist... Da er in seiner Eingabe sagt, daß er derlei selbstverfaßte Lieder am Grabe zu singen pflege, ist ihm zu bedeuten, daß er dieses in Zukunft zu unterlassen habe." Hier nun eine Probe von jenen Grabliedern:

Ein Jahrhundert später hat Sebastian Blau diese Lieder nun wieder herausgegeben. Und die Leser von heute faßt Erstaunen angesichts des Moritaten singenden schwäbischen Pfarrers, der am offenen Grabe stand nicht mit dem Gebetbuch, sondern mit der Gitarre, mächtig in die Saiten greifend, der den Tod nicht fürchtete, weil er Gott vertraute mit einer Naivität, die heute kaum noch jemand aufbringt. Bänkelsang statt Predigt: für Michael Jung wird das Leben noch gehalten von einem gütigen Gott – Geburt und Tod erregen in ihm noch nicht Schrecken und Angst wie im modernen Menschen. Auch diese unbegreiflichen Mysterien liegen in Gottes Händen, der Mensch braucht nicht vor ihnen zu zittern – er darf sie getrost besingen. So legitimiert sich aus einer heilen Weltsicht, was heute vielleicht wie mangelnde Ehrfurcht wirken könnte. H