Sport ist – das wissen wir – eine Art Selbsthygiene der heutigen Menschheit. Man kann ihn, wie andere Güter, zu seinem Nutzen oder auch zu seinem Schaden gebrauchen, also die ihm innewohnende Tendenz ins Gegenteil verkehren. Die Selbstheilung kommt aus körperlichen und geistigseelischen Bedürfnissen. Man kann aber Sport auch so treiben, daß der Körper ruiniert und der Geist verdorben wird. Für viele Menschen ist der Sport eine Flucht aus dem Einerlei und der Abgeschmacktheit des Tages in ein Scheinreich heldischer Leistungen – anderer. Diese Menschen denken, schreiben und reden nur vom Sport, weil ihnen die anderen geistigen Interessen und Aufgaben des Lebens zu beschwerlich sind. Es ist nun eine merkwürdige Tatsache, daß solche Menschen sich nur allzu gern und allzu oft ausgerechnet in die – Führung des Sportes drängen.

Weiter gibt es Menschen –: die reden vom Sport, ohne ihn wirklich zu kennen. Sie urteilen (verurteilen oft sogar) und merken nicht, wie anmaßend das ist. Sie schimpfen über das angeblich zügellose Treiben auf allen unseren Sport- und Spielfeldern, aber sie tun nichts, den Zuständen zu wehren. Gegner des Sportes aus Prinzip.

Nun erleben wir ohne Frage zur Zeit eine Degeneration unseres Sportes. Von dem alten Ideal der geistigen und körperlichen Harmonie ist nicht mehr viel übriggeblieben. Nur der Körper gilt noch etwas, der Geist nichts mehr. Dies bereitet vielen Menschen Sorge, und viele überlegen sich, wie die Sportsleute wieder zur Vernunft zu bringen seien. Da ist der Bayerische Landes-Sport-Verband –: er hat für sein Erziehungswerk die "Arbeitsgemeinschaft zur geistigen Erneuerung des Sportes" geschaffen – dies schon zu der Zeit, als unsere Jugend sich noch mit Vorliebe in den wüsten Bunkern unserer Bahnhöfe oder in den Ruinen zu dunklen Geschäften herumtrieb. In kameradschaftlicher Zusammenarbeit machte sich die AGES (so die Abkürzung) an die Renaissance unseres Sportes. Wir wissen nicht, ob es der Einfluß der AGES ist, daß die Amtlichen Mitteilungen des Bayerischen Landes-Sport-Verbandes ein so hohes Niveau haben, daß man sich stets freut, wenn man dort neben rein fachlichen Aufsätzen auch Arbeiten aus ganz anderen Gebieten findet, die aber alle etwas mit Sport zu tun haben und ihm ein ganz neues Gesicht geben. Vielleicht war es auch das Verdienst der AGES, daß, als sich die deutschen Ruderer in Passau zu ihrem Verbandstag trafen, zwischen den sachlichen Beratungen am Vormittag und dem obligaten Festball am Abend für alle Teilnehmer ein Orgelkonzert im Dom stattfand. Bei einem Lehrgang von Spitzenspielern im Tischtennis, der auf der Sportakademie von Grünwald abgehalten wurde, wies der Kursusplan neben Theorie und Praxis des Fachlichen folgende Referate auf: "Es geht um den Menschen", "Vom Geistig-Sittlichen im Sport" und "Lebensbejahung". So stellte man bewußt den Menschen in den Mittelpunkt, seine Gefährdung in unserer Zeit und die Hilfe, diese Gefahr zu bannen.

In keinem anderen deutschen Lande werden so gute und sportliche Morgenfeiern und Vortragsabende abgehalten wie gerade in Bayern, und die Behörden sind stets dabei vertreten.

Wir dürfen nicht müde werden, darauf hinzuweisen, daß die Höchstwerte des Sportes auch allgemein-menschliche Höchstwerte sind. Wir müssen den Sport in seinen Beziehungen. Geist und Seele des Menschen suchen und den Sportsmann auf die wesentlichen Dinge, die unser Leben bestimmen, aufmerksam machen. Er verlangt danach, denn auch er ist ein Mensch und will es sein.

Walther F. Kleffel