Reparationslieferungen und akuter Brennstoffmangel führen zu immer rigoroseren Kahlschlägen in Mitteldeutschland. Die staatliche "Deutsche Handels-Zentrale" (DHZ) hat in den letzten Monaten das Verfügungsrecht über den gesamten Waldbestand an sich gerissen. Auch der Bauernwald unter 5 ha, der bisher frei geblieben war, ist jetzt in den Kreis der Abgabepflichtigen einbezogen worden. Gleichzeitig kam eine Verordnung heraus, die den Brennholzeinschlag der Privatbesitzer erheblich einschränkt. Der offizielle Raubbau nimmt seitdem immer größere Ausmaße an.

Im Mecklenburger Kreis Malchin wurden in sechs Monaten 134 000 fm eingeschlagen, im Plan waren 55 000 fm vorgesehen. Geschlagen wurden in über 8000 ha Bauernwald und 1400 ha Staatsforsten. In diesem Gebiet betragen die reinen Kahlflächen 162 ha. Lediglich 4. ha wurden aufgeforstet, sogar die Planziffern für die diesjährige Aufforstung wurden gestrichen. Fast die Hälfte aller Forstarbeiter wurden einberufen, die Geldmittel gesperrt.

Bei Lydien/Uckermark hat der Raubbau den Wasserhaushalt bereits empfindlich gestört. Hier werden die Nadelwälder von sowjetischen Armee-Arbeitskommandos abgeholzt. Die Bauern- und Staatsförster erhielten Ausgangssperre, die Einwohner beziffern die bisher abgefahrenen Festmeter auf über 100 000. Den in 1948/49 in der Bundesrepublik geschlagenen 37 Mill. fm stehen im gleichen Zeitraum in der DDR 51 Mill. fm gegenüber. Für 1950/51 lauten die Vergleichszahlen: 44 Mill. fm und 56 Mill. fm. Im vergangenen Jahr betrug der Mehreinschlag (entsprechend Gebietsumfang und Gesamtholzbestand) nicht mehr 25 v. H., sondern 32 v. H. in Mitteldeutschland. Allein 1951 entnahmen die Sowjets 11,254 Mill. fm an Grubenholz und 8,988 Mill. fm an Nutzholz, zusammen über 20 Mill. fm. Der DDR verblieben 8,458 Mill. Festmeter, wovon der Einzelhandel nur 0,220 Mill. Festmeter erhielt. W. D.