Die Verbrauchsziffern der Ernährungswirtschaft sind zwar seit der Währungsreform ständig gestiegen, und aus diesem Grunde haben unter Mitwirkung der steigenden Preise auch die Umsätze der Aktiengesellschaften in der Ernährungsindustrie einen recht erfreulichen Aufschwung genommen. Die Ertragsentwicklung dieses Industriezweiges ist dagegen weit weniger erfreulich gewesen. Die Ursache liegt einerseits darin, daß die Preise unter einem starken Konkurrenzdruck liegen, auch wenn bei der Verbraucherschaft über die Preishöhe eine andere Meinung besteht. Andererseits ist eine steigende Kostentendenz zu verzeichnen, die ebenso durch mehrere Lohnerhöhungen wie durch die allgemeinen Preiserhöhungen bestimmt wird. Gleichzeitig erzwingt der Wettbewerb wieder Qualitätssteigerungen, die im allgemeinen auch von Kostenerhöhungen begleitet sind, ohne daß diesen preismäßig Rechnung getragen werden kann.

So ergibt sich für die Ernährungsindustrie in ihrer Gesamtheit nur eine recht bescheidene Dividendenzahlung. Das gilt nicht nur deshalb, weil von 73 Gesellschaften der Ernährungsindustrie noch 43 Gesellschaften dividendenlos blieben, d. h. etwa 60 v. H. gegenüber weniger als 50 v. H. im Durchschnitt der deutschen Industrie. Vielmehr halten sich auch die gezahlten Dividenden mit einem Schwergewicht von 3–5 v. H. beachtlich unter dem allgemeinen Industriedurchschnitt, der bei 5 bis 6 v. H. liegt.

Die verhältnismäßig günstigste Entwicklung haben während der letzten Jahre die Getreidemühlen genommen. Zahlreiche Gesellschaften konnten bereits nach der Umstellung sehr bald ihre Dividendenzahlungen wieder aufnehmen. Hier sind auch die Steigerungen der Dividendensätze inzwischen recht zahlreich gewesen, jedoch gehen die Ausschüttungen trotzdem heute kaum über 4–5 v. H. hinaus. Etwa 40 v. H. der Gesellschaften bleiben noch dividendenlos. Dabei handelt es sich hauptsächlich um solche Mühlen, die noch bedeutende Kriegsschäden zu beseitigen haben.

Die wirtschaftliche Lage der Ölmühlen war demgegenüber weniger günstig. So berichtet die F. Thörls Vereinigte Harburger Ölmühlen AG, Hamburg, daß die Rohölherstellungsbetriebe während der ersten Jahreshälfte unzureichend beschäftigt waren. In der zweiten Hälfte hatte man zwar vermehrte Lohnaufträge, aber die Verarbeitung für eigene Rechnung blieb weiter unbefriedigend. Dagegen waren die Veredlungsbetriebe befriedigend beschäftigt. Wie die übrigen Ölmühlen blieb auch diese Gesellschaft dividendenlos.

Die Margarine-Industrie zog Nutzen aus der Zunahme des Margarineverbrauches in 1951 auf 9,43 (7,84) kg pro Kopf der Bevölkerung. Allerdings besagt die Verbrauchsziffer nur begrenzt etwas über die Ertragsentwicklung der Industrie. Diese lag während des ganzen Jahres in einem sehr heftigen Wettbewerbskampf, der auf die einzelnen Betriebe sehr unterschiedlich zurückwirkte. Die Bilanzentwicklung war ähnlich derjenigen bei den Ölmühlen. Die Margarine-Union, Vereinigte Öl- und Fettwerke AG. Hamburg, hatte ebenfalls bei steigenden Rückstellungen einen spürbaren Rückgang der Verbindlichkeiten. Interessant ist hier die Zunahme der Vorräte auf 156,86 (117,84) und der Warenforderungen auf 15,37 (4,97), wogegen die Kassenbestände und Bankguthaben auf 17,61 (42,26) zurückgingen. Die dividendenlose Gesellschaft beziffert ihren freiwilligen Sozialaufwand mit 4,25, d. s. 19 v. H. der Lohn- und Gehaltssumme oder 4 1/4 v. H. des AK.

Eine recht günstige Entwicklung zeigt die Fleischwaren-Industrie. Das Inlandsgeschäft hat beachtlich zugenommen. Darüber hinaus konnten auch bedeutende Exporte – vor allen Dingen nach England – durchgeführt werden, wobei jedoch das letzte Vierteljahr einen Rückschlag brachte. Man hat eine verstärkte Nachfrage nach Qualitätswaren festgestellt. In den Abschlüssen der Aktiengesellschaften kommt diese Besserung wenig zum Ausdruck, denn es werden nur geringe Dividenden gezahlt. Die Bilanz der H. & P. Sauermann AG. Kulmbach zeigt bei steigenden Vorräten und Warenforderungen andererseits auch steigende Verbindlichkeiten und rückläufige Bankguthaben.

Die qualitätsmäßige Normalisierung der Ernährungsindustrie zeigt sich besonders deutlich in der wieder wachsenden Anerkennung der Suppen-Artikel, die einst zu den beliebtesten Hilfen der Hausfrauen gehörten. Soweit es sich um anerkannte Markenartikel handelt, sind sie wieder auf dem besten Wege dorthin. Die zahlreichen Kriegs- und Nachkriegsgründungen verursachten einen sehr scharfen Preiswettbewerb, während die Kosten stark steigende Tendenz haben. Das trifft auch für die Schälmühlen und die Teigwarenindustrie zu, ohne daß diese Zweige eine günstige Umsatzentwicklung haben. Die Fortschritte der Suppen-Industrie zeigen sich z. B. auch darin, daß die Z. H. Knorr AG. Heilbronn ihre Dividendenzahlung mit 4 v. H. wieder aufnehmen konnte.

Die Süßwaren-Industrie hatte zwar eine beachtliche Umsatzvermehrung, aber andererseits bedingten die Betriebsübersetzungen einen sehr scharfen Wettbewerb, der von einem Teil mit den Preisen und vom anderen Teil mit der Qualität angefochten wurde. Dabei hatte die Qualität größere Chancen zu siegen. Nicht immer gelang es jedoch, die Kostenarispannungen zu überwinden. In der Bilanz der "Sarotti AG.", Berlin-Hattersheim, wirkte sich die Entwicklung in einer recht spürbaren Bilanzanspannung aus, die ihre Ursache hauptsächlich in einer Vorratsvermehrung auf 18,19 (13,74) hat. Obwohl der Reingewinn zurückging, blieb die Ausschüttung mit 6 v. H. unverändert. G. Pl.