Wenn man das äußerliche Ergebnis der vergangenen Börsenwoche betrachtet und dabei bescheidene Maßstäbe anlegt, könnte man eigentlich zufrieden sein. Die Kurse haben sich – soweit sie den Aktienmarkt angehen – behauptet, – das Geschäft war zeitweilig sogar an allen Plätzen recht lebhaft. Was ging vor? Angeregt durch die veröffentlichten Zahlen der Nachfolgegesellschaften des IG-Farben-Konzerns und vielleicht auch durch die in letzter Minute erfolgte Einigung über die EVG-Zusätze in Paris, hielt der Berufshandel es für an der Zeit, einen Vorstoß zu starten. Er hatte die Hoffnung, das Publikum wieder an die Börsen zu binden; Aber bereits am Wochenende zeigte es sich, daß dieser Versuch – genau wie alle vorherigen – mißglücken mußte. Der einzige große Kunde von Belang war das Ausland, das sich mit Hilfe von Sperrmark in IG-Farben und sonstigen Standardpapieren engagierte. Von Frankfurt ausgehend, trugen diese – Orders wesentlich zur Be lebung der Märkte bei. Das deutsche Publikum stand, von wenigen Ausnahmen abgesehen, weiterhin abseits.

Mannesmann-Aktien sind fortan nur noch in den Nachfolgegesellschaften handelbar. Der Unterschied, der sich zwischen den überwiegend bergbauinteressierten Werten und den Eisen- und Stahlgesellschaften gebildet hat, dürfte typisch für die kommende Kursbildung bei allen Unternehmen des gleichen Komplexes sein Mannesmann-Namens-Aktien 75 1/2 Stamag 74, Consolidation 70 v. H.). Abgesehen von kleinen Schwankungen bei diesen Gesellschaften wies der Montanmarkt keine Veränderungen auf. Bei den Kaliwerten verzeichneten Burbach Kali einen Kursanstieg von 86 1/2 auf 91 1/2 v. H. als Folge der kürzlich bekanntgegebenen Dividendenzusage. Wintershall konnten sich bei wesentlich geringeren Umsätzen lediglich behaupten.

Von den Elektrowerten profitierten Siemens immer nach von einigen Sperrmarkorders, die allerdings sehr vorsichtig placiert werden. Es verlautet, daß Siemens in diesem Jahr die Dividende von 4 auf 6 v. H. erhöhen will. – Bei den Bau-Werten kamen Gebr. Goedhart zu weiteren Gewinnen. Wie dazu an der Hanseatischen Wertpapierbörse bekannt wird, ist der Kursanstieg darauf zurückzuführen, daß die Gesellschaft ihre Geräte in den von den Sturmfluten unlängst heimgesuchten Küstengebieten zum Einsatz bringen konnte und in der Folge mit Aufträgen gut versehen sein soll. Der Kurs stieg in den letzten beiden Wochen von 37 auf 50 v. H. Bei dem 2:1 zusammengelegten Aktienkapital bedeutet das eine Steigerung in DM von 26 Punkten. Ob so wiel Zuversicht gerechtfertigt ist, muß abgewartet werden. In unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Bewegung steht auch der Kursgewinn bei Schantung, die rund 50 v II. der Goedhart-Aktien in ihrem Besitz hat. Von weiteren Hamburger Lokalpapieren erlitten Leder-Wieman einen Kursverlust von 4 1/2 Punkten und notieren jetzt mit 92 1/2 v. H. Dieser Rückgang muß in bezug auf die Höhe der für 1952 erwirtschafteten Rendite einige Bedenken auslösen. Phoenix-Gummi – wo vor einigen Monaten ein größeres Paket seinen Besitzer wechselte – scheint sich jetzt auf der Basis zwischen 140 und 150 v. H zu fangen.

Am Bankenmarkt war das Geschäft lebhafter als sonst Von den ehemaligen Großbanken wurden die Deutsche und die Dresdner Bank bevorzugt. Auch die Deutsche Uberseebank holte 1 1/2 Punkte auf.

Erwartungsgemäß ist der Angebotsdrude in RM - Renten größer geworden. Wenn sich auch die hier anfallenden Papiere im Betrag noch in ziemlich engen Grenzen bewegen, so führte die Abgabeneigung dennoch in manchen Emissionen zu geringen Kurs Herabsetzungen. Auf der anderen Seite erhielt sich das Interesse für die Hamburger Altbesitz-Anleihe (185 v. H.). Die letzte Rate dieser Anleihe wird bereits am 31. 12. 1955 fällig.

-n d t.