Das war so üblich bei uns zu Hause: fünf Tage vor dem Fest stellte jedes der Kinder einen Holzschuh zurecht, und über Nacht legte dann der Osterhase eine kleine Empfehlung hinein – ein buntes Ei, ein paar Zuckerstückchen oder sonst einen begrüßenswerten Oster-Vorgeschmack.

Nun war es der Mutter wohl entgangen, daß ich schon zu den Kindern gehörte, denen die Freude auf solche Geschenktage vergällt ist, sei es nun, weil sie, wie viele Kinder, besonders aufmerksame Beobachter sind, oder sei es, daß sie durch hämische Worte eines älteren Spielgefährten "aufgeklärt" wurden.

Als daher die Mutter so nebenbei riet, ich möge doch einmal versuchen, ob nicht der Osterhase schon in der Gegend sei, da holte ich – um ihr nicht die Freude zu verderben – ein wenig träge meinen Holzschuh, wusch ihn ohne Sorgfalt, stellte ihn zurecht und nahm am anderen Morgen ein kleines Zuckerhäschen heraus, Wobei ich größere Freude heuchelte, als ich wirklich empfand.

So tat ich am nächsten und am dritten Tage, dann aber wurde ich des kindlichen Glaubens überdrüssig, mit welchem die Mutter bei mir einen gleichen Kinderglauben voraussetzte. Halb zweifelnd, halb trotzig stellte ich meinen Holzschuh auf eine kleine Insel des Niersbruches. Dort mochte der Osterhase – falls es ihn gab – seine Geschenke ablegen.

Beim Schlafengehen fragte mich die Mutter erstaunt, ob ich denn in dieser Nacht keinen Schuh aufstellen wolle.

"Ich habe ihn auf die Niers-Insel gebracht."

"Aber Junge", rief die Mutter erschreckt, "da ist es ja dunkel –, wie soll der Osterhase deinen Holzschuh finden?"