Für Goethe ist das Rauchen eine barbarische Sache gewesen. Aber Bach hat eine kontrapunktische Aria zum Lob des Rauchens komponiert. Woraus man sieht, daß die großen Deutschen in dieser Frage uneinig waren. Uneins war unlängst in Bonn auch die CDU: Bausch, MdB., behandelte – in zweiter Lesung – das geplante Tabaksteuergesetz, das einer Siebeneinhalb- und eine Achteindrittel-Pfennig-Zigarette zustimmen soll, mit derselben leidenschaftlichen Verachtung, die Goethe dem Rauchen entgegenbrachte. Werden die Zigaretten billiger, dann wird nicht nur den bösen Schmugglern geschadet, sondern auch den guten Menschen: sie rauchen mehr, und davor will Bausch sie bewahren: "aus moralischen, sittlichen, ethischen und vor allem aus gesundheitlichen Gründen". Aber sein Fraktions-Kollege Dresbach erwiderte mit Bach’scher Behaglichkeit: Was die Gesundheit beträfe, er rauche seit 14 Monaten nicht mehr, doch seine Stimme sei immer noch heiser; und nicht um die Gesundheit ginge es hier, sondern um die Idee, aus billigeren Zigaretten mehr Steuergeld herauszuholen, weil’s auch hier die Masse macht. Worauf das Hohe Haus den Fall vertagte, so daß es die billigen Zigaretten wohl erst frühestens in Monatsfrist geben wird, obwohl die Raucher schon lange darauf warten. – "Ich kann bei so gestalten Sachen", heißt es in der kleinen Raucher-Aria des großen Bach (dies in metaphysischem Zusammenhang: Der Mensch vergeht wie Rauch, es bleibt die Asche), "mir bei dem Tobak jederzeit erbauliche Gedanken machen. Drum schmauch ich voll Zufriedenheit zu Land, zu Wasser und zu Haus mein Pfeifchen stets in Andacht aus..." J. M.