New York, Ende März

Außenhandelszahlen soll man nicht überschätzen. Sie sind wichtig für die Zeitspanne, auf die sie sich beziehen, aber nur sehr bedingt verwendbar für die Beurteilung der kommenden Entwicklungen. Die westdeutsche Ausfuhr nach den Staaten ist im lernen Jahr auf etwa 249 Mill. $ angewachsen, gegenüber etwa 235 Mill. im Jahre 1951. Gleichzeitig ist der Einfuhrüberschuß auf etwa 330 Mill. $ zurückgegangen, was allerdings mehr noch als auf die gestiegene Ausfuhr auf den Rückgang der Einfuhr von Amerika zurückzuführen ist.

Eine Prognose hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Verhältnisses zwischen Einfuhr und Ausfuhr ist heute schwer möglich. Es läßt sich aber ganz grundsätzlich feststellen, daß für arbeitsintensive Erzeugnisse ein weiterer Markt in USA erschlossen werden kann, sofern sie den hiesigen Fabrikanten und dem Konsumentenpublikum zusagen. Dazu gehört, daß sie Neuerungen darstellen, neue Ideen verkörpern oder – soweit es sich um Uhren, Solinger Erzeugnisse, Porzellan, Glas und dergleichen handelt – modernen Stil und womöglich erhöhte Brauchbarkeit aufweisen.

Der Absatz in solchen Erzeugnissen, ebenso wie der in optischen Instrumenten, Spezialmaschinen, Spielwaren und vielen anderen Artikeln, wird nach der Ansicht führender hiesiger Fachleute in seiner Höhe letzten Endes von den Anstrengungen abhänger, die deutscherseits gemacht werden, um weitere Märkte zu gewinnen. Hier liegt die solideste Chance des deutschen Fabrikanten, der nach den Staaten exportieren will, allerdings auch die seiner Konkurrenten in vielen anderen Ländern. Auf der New Yorker Photo-Ausstellung galt das Hauptinteresse der deutschen Kamera. Stark beachtet aber waren daneben die reichlich ausgestellten japanischen Kameras, Linsen und Zubehörteile, die zum Teil sehr preiswert, wenn auch in der Qualität nicht gleichmäßig sind. Weiter sah man gute englische, schwedische, schweizerische und – last bat not least – amerikanische Erzeugnisse.

Die Erschließung neuer Märkte in den Staaten erfordert Zeit und Geld sowie vorsichtiges und systematisches Vorgehen. Die amerikanischen Abnehmer sind am Auslandsprodukt als solchem nicht allzusehr interessiert, solange es sich nicht um Fabrikate handelt, die im Markte schon bestens bekannt sind. Keinesfalls wollen sie zusätzliche Arbeit und Unbequemlichkeiten davon haben; daher wollen sie franko New York kaufen, und sie wollen sicherstellen, daß die Lieferzeit für die deutsche Maschine nicht die für die amerikanische übersteigt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der ausreichenden Lagerhaltung hier im Lande, auch in Ersatzteilen, und die Gewährleistung der schnellen und zuverlässigen Durchführung etwa erforderlich werdender Reparaturen.

Wenn das Studium der hiesigen Märkte zu der Auffassung führt, daß bestimmte Erzeugnisse hier absatzfähig sind, sollte zunächst eine Verkaufsorganisation im Lande selbst eingerichtet werden, falls es nicht zweckmäßiger erscheint, mit einer schon bestehenden zusammenzuarbeiten. Das Ansehen und die finanzielle Situation des hiesigen Importeurs oder Vertreters ist von größter Bedeutung für die Einführung neuer Erzeugnisse, da der amerikanische Abnehmer mit ihm zu tun haben wird und nicht mit dem Fabrikanten in Deutschland.

Erst wenn eine leistungsfähige Verkaufsorganisation besteht, wenn Fachleute zur Verfügung sind, die die zu propagierenden Maschinen, Instrumente und Apparate vorführen können, sollte mit der Beschickung der hier vielfach ausgezeichnet organisierten und gut besuchten Fachausstellungen begonnen werden. Es lohnt sich nicht. Vorführmaschinen und Vertreter lediglich zu einer solchen Ausstellung herüberzuschicken. Die Kosten sind zu hoch dafür und in der großen Mehrzahl der Fälle in keinem Verhältnis zur Höhe der dadurch erzielbaren Verkäufe.