Als im alten Berlin, lange vor dem ersten Weltkrieg, die Großhotels, wie das „Adlon“ mit seinen 300 Betten oder das „Esplanade“, erbaut wurden, erforderten diese Häuser einen Kapitalaufand von je etwa 25 Mill. Goldmark. Dies waren amals fast unvorstellbare Summen, wenn man edenkt, daß sie für den Bau von nur einem eingen Großhotel verwendet wurden. Hätten die eltgereisten und erfahrenen deutschen Großoteliers in den vergangenen Jahrzehnten nicht ihre ugen weit geöffnet, hätten sie sich nicht versierte etriebswirtschaftler zur Seite genommen und nicht an Architekten klar begrenzte und scharf kalkuerte Aufträge erteilt, dann müßten heute beim fachkriegs-Wiederaufbau deutscher Spitzenhotels aukapitalien in der Größenordnung von 75 bis 30 Mill. DM aufgewendet werden.

Diese Zahlen müssen wir uns in das Gedächtnis jrückrufen, wenn die Bauleistung der derzeitigen eutschen Großhotellerie richtig beurteilt werden >11. Geradezu mager nehmen sich dann nämlich Die Kapitälsummen aus, die letzthin beim Aufbau deutscher Hotels von internationalem Format beannt wurden. So erforderte seinerzeit der Wiederaufbau des völlig zerstörten „Breidenbacher Hofes“ Düsseldorf rund 8 Mill. DM. Das äußerlich nur wenig zerstörte, aber durch langjährige Inanspruchahme seitens der Besatzungsmacht stark herunter ekommene und von seinem Mobiliar befreite „Park Hotel“ in Düsseldorf wird in den jetzt laufenden Wiederaufbaumonaten bis Mitte Dezember etwa 6 bis 6,5 Mill. DM brauchen. Beide Hotels haben etwa 200 Betten, beide Häuser stellen die internationale Spitzenklasse dar, für beide Häuser gibt die Marktanalyse eine ausreichende Frequenz.

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen noch ernsthaft die Frage gestellt werden kann, ob wir überhaupt solche „Luxus-Hotels“ brauchen oder nicht. Großhotellerie ist ebenso wie die Fahrgast-Großschiffahrt seit jeher Schrittmacher des Fortschrittes und Wegbereiter einer Popularisierung des Wohnkomforts gewesen. Was die Hotels vormachten, wurde ein Jahrzehnt später gehobener Durchschnitt und dann schließlich Selbstverständlichkeit. Dabei meinen wir nicht etwa bombastische Säulen und Gewölbe, wohl aber die Art der Möblierung, die Verwendung modernster Technik in Küche und Keller, in Heizung, Nachrichtenmitteln und hygienischen Installationen. All diese Dinge kosteten früher viel Geld und sie kosten heute ebenfalls erhebliche Beträge. Wir möchten erwähnen, daß allein die Klimaanlage für ein modernes Großhotel 400 000 bis 700 000 DM erfordert.

Es gibt eine alte Faustregel im Beherbergungsgewerbe. Sie drückt Kapitalaufwand und Kapazität eines Hotels mit der Summe aus, die der eigentlich vermietbare Gegenstand des Unternehmens, nämlich das Bett, beim Aufbau erfordert hat. Kostet ein Haus 8 Mill. DM und hat es 200 Betten, dann kommt die scheinbar übertriebene Zahl von 40 000 DM je Bett heraus. Mit dieser Zahl haben wir allerdings den bisher bekanntgewordenen höchsten Kapitalaufwand herausgegriffen. Aber Kosten von 20 000 bis 30 000 DM je Bett liegen durchaus im üblichen Rahmen. Wenn wir andererseits bedenken, daß eine Dreieinhalbzimmerwohnung (Stockwerkeigentum) für ein Ehepaar mindestens 25 000 bis 30 00 DM erfordert, dann sind wir schon bei einer Wohnung mit einem „privaten“ Bettenpreis von 12 000 bis 15 000 DM angekommen. Diese Betrachtung „mildert“ den Eindruck, daß in der deutschen Großhotellerie der Nachkriegszeit mit dem Kapital allzu großzügig umgegangen werden würde.

Wenn heute Städte, wie Frankfurt, Düsseldorf, ja selbst Reutlingen, das zur Zeit ein Hotel mit 70 Betten für über 2 Mill. DM (je Bett also rund 30 000 DM) aufbaut, von der Errichtung neuer Großhotels zu melden wissen, dann hören wir nicht selten die Gegenfrage, ob „so etwas denn nötig sei“. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der internationalen Hotels ist jedoch unbestritten. Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Baden-Baden und anderswo erreichen jährlich fast je siebenstellige Zahlen. Diese Häuser sind unerläßlich für das Gedeihen der außenwirtschaftlichen Beziehungen der Bundesrepublik, weil in ihnen das Maximum an Besuchern der internationalen Geschäftswelt ein- und ausgeht.

Vor dem Kriege spielte sich ein Großteil dieses internationalen Geschäftsverkehrs in der Reichshauptstadt ab. Hier Bestanden die Großhotels, wie sie allen noch Klang und Name sind; hier empfand niemand, daß sie etwa überflüssig seien, hier gehörten sie zum Pulsschlag der Weltstadt. Anders in vielen Landeshauptstädten der Gegenwart. Heute wird den großen Häusern eine gewisse Fremdheit entgegengebracht. Aber es wird übersehen, daß sich durch die Abschnürung Berlins eine strukturelle Verlagerung des geschäftlichen Reiseverkehrs ergab. Die Hauptverwaltungen der großen Unternehmen domizilieren nicht mehr in Berlin, sondern in verschiedenen Landeshauptstädten oder unmittelbar neben ihren Produktionsstätten. Die Spitzenorganisationen der Branchen und Gewerbezweige haben sich über die Bundesrepublik verteilt und damit auch dem geschäftlichen Reiseverkehr neue Reiserouten und Aufenthaltszentren auferlegt. Auch hier liegen berechtigte Gründe, die immer erneut zum Bau bedeutender Komforthotels anregen, ja geradezu zwingen.

Kürzlich wurde anläßlich des Wiederaufbaubeginnes beim „Park Hotel“ in Düsseldorf, dessen Regie der zur Zeit größte deutsche Hotelier Albert Steigenberger übernommen hat, über die Rentabilität bemerkenswertes Zahlenmaterial genannt. Wirtschaftsprüfer Dr. Falk teilte mit, daß allein die Kapitalkosten (Abschreibungen, Zinsen und Tilgungen) bei einem Aufbaupreis von 25 000 DM je Bett einen Fixsatz von rund 7 DM und bei 40 000 DM je Bett von rund 12 DM ausmachen. Die beweglichen Kosten, die hinzukämen, liegen bei etwa 30 bis 40 v. H. dieser Summe, je nachdem, wie weit Restaurationsbetriebe eine weitere Einnahme gewährleisten. Es war weiter zu hören, daß ein Haus, das einen Finanzaufwand von etwa 3 Mill. DM erfordert hat, gut im Geschäft liege, wenn es einen Jahresumsatz von 1,5 bis 2 Mill. DM tätigen könnte. Das bedeutet einen Kapitalumschlag von nur etwa einhalbmal, während der Kapitalumschlag bei Industrie und Handel durchschnittlich zwischen 1:3 bis 1 : 20 liegt.