Im Dorf redet man davon, daß Metzer Unterschriften sammelt, um bei den Russen die Absetzung des größten Kapitalisten des Ortes von seinem Bürgermeisterposten zu erwirken. Außerdem sammele er Material und Unterschriften gegen die gesamte Kapitalistenfamilie, der nun endlich ihre zu Unrecht errafften Besitztümer, Land, Häuser und Fabrik wieder abgenommen werden sollen.

„Laßt ihn doch!“ beschwichtigen wir die empörten Leute, die uns diese Schauergeschichten überbringen. Thomas hat keinen Ehrgeiz, das zweifelhafte Amt eines Dorfbürgermeisters unter Sowjetbesatzung noch lange weiterzuführen. Bald wird die Fabrik wieder seine ganzen Kräfte brauchen, wenn der Befehl zum Anlauf kommt.

Was für Stimmen sind das im Flur? Ein Offizier mit der giftgrünen NKWD-Mütze steht an der Tür, schon in unserem Hause, und ein blasses Mädchen in einem kurzen, schwarzen Fähnchen neben ihm, die Zöpfe als Kranz um den Kopf gelegt: seine Dolmetscherin. Der NKWD-Mann hält das Plakat von unserer Haustür in seiner Hand: Bürgermeister. Eintritt für Militär verboten! – Er hat das Schild abgerissen.

Er sagt etwas zu mir, kurz und böse. Das Machen übersetzt: „Wer hat das geschrieben?“ – „Der Oberst eines Regiments ließ es schreiben.“ – „Welches Regiments?“ – „Das weiß ich nicht. Der Chef hieß Oberst Borissow. Sehen Sie, auf dem anderen Schild im Bürgermeisterzimmer am Fenster steht sein Name.“ – „Wo?“ Mit einem Satz ist der Russe am Fenster, reißt das Schild herunter.

„Wo ist Bürgermeister?“ – „Er ist ins Dorf gegangen. Ich bin seine Frau. Kann ich Ihnen Ihre Fragen beantworten?“ – „Nein!“

Jetzt russische Sätze hin und her zwischen ihm und der Dolmetscherin, und jetzt weiter im Verhör. „Wer hat ihn zum Bürgermeister gemacht?“ – „Der General.“ – „Was für ein General?“ – „Ich weiß nicht, wie er hieß.“

Wieder unverständliches Russisch hin und her. Dann: „Wo wohnt Metzer?“ – „Im letzten Haus an der Landstraße, rechts.“ – „Holen Sie Metzer!“