Der rote Film rollt in den letzten Jahren in ostasiatischen Kinos über die Leinwand, das größte Filmpublikum der Welt beklatscht Moskaus und Maos Helden. Britische und amerikanische Produzenten überlegen mit steigender Nervosität, wie sie den ständig sinkenden Absatz ihrer Filme in Asien stoppen können.

Es wird so lange vergeblich sein, wie Erotik und Kriminalität Hauptthemen vieler westlicher Exportfilme sind. Es gibt keine bessere Propaganda für die Sowjets. Asiaten lachen nicht über Prügelszenen und Betrunkene, die sowjetischen und chinesischen Filmproduzenten wissen das, und sie haben ihre Lehren daraus gezogen.

Der Westen lernt langsamer. In den noch vom Westen beherrschten Gebieten Asiens laufen kaum britische oder amerikanische Filme in chinesischer oder malaiischer Sprache. Aus falscher Sparsamkeit vielleicht hat man sie nicht synchronisieren lassen. Untertitel in den jeweiligen Landessprachen verfehlen ihren Zweck angesichts des immer noch großen Prozentsatzes an Analphabeten. China dagegen produziert Filme in allen Dialekten. In den großen staatlichen Filmstudios in Nordostchina, Peking und Schanghai ist man unter enormem Kostenaufwand an der Arbeit, um mit dem Film ein Instrument zur Lenkung der Massen in die Hand zu bekommen.

Vier Jahrzehnte lang hatte Hollywood ohne große Mühe die Führung. In den großen Kinos der Küstenstädte lernte der Chinese den Westen durch die Kamera der Traumfabrikanten kennen. Während die chinesischen Klassiker das geistige Europa bereicherten, legten gewinngierige Europäer und Amerikaner häßliche Visitenkarten vor chinesische Türen.

Im Jahre 1915 wurden die ersten Filme auf chinesischem Boden hergestellt. Im Stadium des Experiments waren sie kaum mehr als eine schlechte Fortführung des chinesischen Theaters mit anderen Mitteln. Zauberer und Dämonen beherrschten die Projektionsfläche. Sie hatten ein dankbares Publikum. Die Jagd nach dem Profit verhinderte jedoch, einen echten Filmstil zu schaffen. In rund fünfzehn Jahren wurden immerhin dreihundert Filme gedreht. In dreizehn Städten wurden Studios eingerichtet. Amerikanische Assistenz half über die ersten Schwierigkeiten hinweg. Doch bald wurde Amerika von der Sowjetunion abgelöst.

Mit dem Beginn des Krieges gegen Japan wurde der chinesische Film ebenso wie die Presse in den Dienst der Propaganda gestellt. Sowjetische Filme kamen in immer größerer Zahl über die „Große Mauer“. Zwar wurde Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ 1926 in China gezeigt, das intensive Studium sowjetischer Filmregie begann aber erst in den letzten Jahren.

„Die chinesische ~~~~~ ist dazu übergegangen‚ eine neue nationale Kunstrichtung – eine Kunst für die Massen der Arbeiter und Bauern – zu schaffen“ – erklärte Tschou Yang, der stellvertretende Minister für kulturelle Angelegenheiten. Das Filmkunstbüro seines Ministeriums überwacht heute alle Filmproduzenten und dirigiert die Aufführungen in allen Bezirken des Riesenreichs. 1800 chinesische und sowjetische Projektionsapparate fahren in die kleinsten Dörfer und sorgen für den ideologischen Drill. 757 feste Filmtheater stehen in den Städten. Das Programm wird zur Hälfte aus sorgfältig synchronisierten sowjetischen Filmen zusammengestellt. 28 Filme aus der Sowjetunion und 30 Filme aus den Satellitenstaaten sind im Jahre 1952 in China synchronisiert worden. 584 Millionen Filmbesucher sahen diese Filme. Der Film „Fall von Berlin“ konnte allein in Nordostchina vor mehr als zwei Millionen Zuschauern aufgeführt werden.