Es war ungefähr halb sechs. Die Zeitung war eben in Druck gegangen. Ein heißer Spätnachmittag. im Januar. Vom Fenster meines Büros konnte ich die Dachfirste von Johannesburg sehen, das sich nach der Sommersonnenhitze langsam abkühlte. Der Krieg in Palästina war soeben beendet. Ich hatte den letzten Artikel darüber ins Blatt gegeben. Als ich die Redaktion durch den Seitenausgang verließ, hatte ich das Gefühl, daß Kriege hoffnungslos unabwendbar sind und jeder Frieden nur eine Atempause.

Gewohnheitsgemäß ging ich auf ein Bier zum Carlton hinüber. Gerade während ich es, die Füße auf der Stange der Bar, aus einem von Schweißtröpfchen glitzernden Seidel schlürfte, fühlte ich mehr, als daß ich sah, wie jemand mich anstarrte. Unwillkürlich wandte ich mich um. Es war Gibbie Summers. Vor über zwei Jahren hatte ich ihn zum letztenmal gesehen – an dem Tag, wo wir alle aus der Royal Air Force entlassen worden waren. Ich winkte ihm zu und setzte mich neben ihn. Ganz mechanisch fragte ich ihn, wo Bingo Cullas steckte. Während des Krieges waren die beiden ständig zusammen gewesen, und wir hatten sie „die Unzertrennlichen“ genannt.

Nach dem üblichen „wie geht’s, wie steht’s?“ erfuhr ich, daß Gibbie gerade heute aus dem Nahen Osten heimgekehrt war. Er hatte auf Seiten der Araber gekämpft, und das breite rote Band des „Sterns von Arabien“ hob sich stark von den zwei Weltkriegsorden ab. Ich hatte Summers immer gern gehabt. Er war so richtig, was ich einen Mann für Männer nennen möchte. Keine Umschweife, keine Ziererei, kein Brimborium.

Wir tranken und schwatzten über vergangene Zeiten. Als ich wieder nach Bingo Cullas fragte, sagte Gibbie, er habe ihn nicht mehr gesehen, seitdem Bingo ihn vor zwei Jahren auf seiner Bude besuchte, und bei der Gelegenheit sei Bingo so betrunken gewesen, daß er die Bude mit einem Flugplatz verwechselte. Wir lachten sehr und bestellten zwei Schnäpse – die ersten einer langen Reihe.

Man weiß, wie alte Flugzeugführer ihr Garn spinnen – von alten Zeiten in der libyschen Wüste, von Angriffen auf Kos und Kreta, oder von jener Nacht nach sechs Monaten Wüste, wo sie in Kairo betrunken auf dem Tisch eines Nachtlokals geschlafen und morgens ihre Taschen leer gefunden hatten. In jener Nacht hatte Bingo sein Gebiß verloren und mußte es vor der Tür suchen. Ja, das waren Zeiten gewesen!

„Ach, holen wir doch Bingo“, meinte Summers beim soundsovielten Drink (diesmal bestehend aus Wasser), „und machen eine Party“.

Ich fand das eine gute Idee – vorausgesetzt, daß Bingo nicht inzwischen verheiratet sei.