Ein Lied in der Wüste

Ein Kranz ward gewunden aus schwärzlichem Laub

in der Gegend von Akra:

dort riß ich den Rappen herum und stach nach dem

Tod mit dem Degen.

Auch trank ich aus hölzernen Schalen die Asche der

Brunnen von Akra,

und zog mit gefälltem Visier den Trümmern der

Ein Lied in der Wüste

Himmel entgegen.

Denn tot sind die Engel und blind ward der Herr

in der Gegend von Akra,

und keiner ist, der mir betreue im Schlaf die zur

Ruhe hier gingen.

Zuschanden gehaun ward der Mond, das Blümlein

der Gegend von Akra:

Ein Lied in der Wüste

so blühn, die den Domes es gleichtun, die Hände

mit rostigen Ringen.

So muß ich zum Kuß mich wohl bücken zuletzt,

wenn sie beten in Akra ...

Oh, schlecht war die Brünne der Nacht, es sickert das

Blut durch die Spangen!

So ward ich ihr lächelnder Bruder, der eiserne

Ein Lied in der Wüste

Cherub von Akra.

So sprech ich den Namen noch aus und fühl noch

den Brand auf den Wangen.

Aus dem Gedichtband von Paul Celan: "Mohn und Gedächtnis", der Jetzt in der Deutschen Verlagsanstalt, Stuttgart, erschien.