Das große Sterben, das seit Beginn der Preiskrise im April 1951 vor allem die mittelständischen Betriebe der Seifenindustrie erfaßte, hat bis jetzt weit über hundert Herstellerfirmen oder etwa ein Drittel der 370 Produzenten durch Konkurs, Vergleich und Liquidation aus dem Herstellungsprozeß ausgeschieden. Der Verlust des größten Teiles der Absatzgebiete in Ostdeutschland und in der Sowjetzone führte bei der Überkapazität der Seifenindustrie zu einem scharfen Preiskampf auf dem verkleinerten Absatzgebiet, der Kalkulationen – insbesondere auf dem Konsumseifenmarkt – bis zu 30 v. H. unter dem Selbstkostenpreis zur Folge hatte. Als im Januar 1952 am Weltmarkt Öle und Fette einen Preissturz erlebten, wurden davon vor allem jene Betriebe betroffen, die nicht auf andere Gebiete der chemischen Waschmittelindustrie ausweichen und damit ihre Rohstoffverluste ausgleichen oder vermindern konnten. Zugleich machte sich immer mehr eine „Geschmacksänderung“ von der Seife zu den chemischen Waschmitteln und von der Konsumseife zu der Markenseife bemerkbar.

Heute bedrohen die allgemeinen Unterpreise der Konsumseifenindustrie, die einen Marktanteil von etwa 70 v. H. besitzt, teilweise auch größere Firmen in ihrer Liquidität. Erst in diesen Wochen hat ein großer Betrieb seine Markenseifen um etwa 30 v. H. gesenkt, nicht so sehr, um einen weiteren Preisrutsch auszulösen, als wohl vielmehr, um die große Preisdistanz zu den abgeglittenen Konsumseifenpreisen zu vermindern.

Der Export von Konsumseife scheitert einmal an der ungünstigen Preiskonstellation gegenüber den ausländischen Konkurrenten, auf der anderen Seite ist sie zu lastig und frachtungünstig. Außerdem leiden die Unternehmen der westeuropäischen Seifenindustrie unter ähnlichen Krankheiten wie die westdeutschen Betriebe. Einen Ausweg aus der nach wie vor bestehenden Überkapazität zu finden, scheint demnach recht schwierig, es sei denn, man bejaht die jetzige Art des Ausleseprozesses, der recht einseitig zu Lasten der mittelständischen Betriebe vor sich geht.

Konsum-Kernseifen und Schmierseifen können einfach hergestellt und stillgelegte Anlagen bei eintretender Besserung der Absatzlage schnell wieder in Betrieb genommen werden. Deshalb droht der Seifenindustrie, so argumentiert die eine Seite, eine dauernde Marktstörung, während vor allem die mittelständischen Betriebe an Prof. Erhards Versicherungen einer aktiven Mittelstandspolitik wie an das Mittelstandskreditprogramm erinnern.

Verringerung des Angebotes und Erweiterung des Absatzes sind die Gebote der Stunde. Da der Appell an eine freiwillige Kapazitätsbeschränkung ohne Erfolg bleiben mußte und die Forderung nach einem Krisenkartell, wenn überhaupt, nicht in absehbarer Zeit zu verwirklichen ist, hat der Verband Deutscher Seifenfabrikanten, Homburg, als ultima ratio den Antrag auf Genehmigung eines Marktordnungsgesetzes gestellt. Mit Hilfe eines Selbstkostenspiegels sollen sich die Firmen freiwillig diesem Gesetz unterwerfen, das der Konsumseifenindustrie durch eine Sofortmaßnahme die Selbstkosten auf einem Mindestpreisniveau sichern soll. Das auf zwei Jahre befristete Gesetz soll nicht lebensuntüchtigen Betrieben die Möglichkeit zum Weitervegetieren geben, sondern den mittelständischen Betrieben die Chance einräumen, „noch zu Lebzeiten“ in den Genuß der Mittelstandskredite zu kommen, um durch Rationalisierung widerstandsfähiger zu werden. Endzweck dieser Verschnaufpause müßte immer der Abbau der Überkapazität bleiben.

Die Stellen, die ein solches Gesetz zu genehmigen haben würden, und auch der Bundeswirtschaftsminister, stehen vor keiner leichten Aufgabe. Auf der einen Seite können sich die Großfirmen mit dem Ruf nach dem Staat, der den natürlichen Ausleseprozeß abbremsen soll, nicht befreunden und appellieren an die Gesetze der freien Marktwirtschaft; andererseits kann man die einseitige Kräfteverschiebung zuungunsten der mittelständischen Betriebe nicht unbeachtet lassen. Ausschlaggebend für die Entscheidung dürfte die Auffassung sein, ob es sich um eine strukturelle Krisis oder um einen vorübergehenden Notzustand, wie etwa 1932, handelt. H. K.