Wenn der Mensch sich von seinen metaphysischen Bindungen löst, nimmt seine innere Unruhe und Angst zu. Er lebt nur in der Gegenwart, abgehetzt und unzufrieden, und hofft, daß ihm eine spätere Gegenwart mehr Glück und Frieden schenken wird. Diese spätere Gegenwart möchte er aber noch gern erleben. So setzt er sein ganzes Vertrauen auf die Ärzte, die ihm dabei helfen sollen. Von da her wird es wohl verständlich, daß heute ein hektisches Interesse an medizinischen Publikationen besteht. Oft werden dabei dem nichtsachverständigen Leser unverantwortlich leichtsinnige, ja gefährliche Dinge vorgesetzt. Um so mehr ist es zu begrüßen, daß allmählich auch die führenden Mediziner ihre Scheu vor der breiten Öffentlichkeit überwinden und in allgemein verständlichen Werken zum Problem der Gesundheit Stellung nehmen.

Professor Dr. Dr. K. Salier „Gesundes Land – Gesundes Leben“ (Richard Pflaum-Verlag, München, 255 S., 8,– DM).

Das sind 22 Vorträge, die auf einer Tagung in München vor Ärzten, Ernährungsbiologen, Chemikern, Tierzüchtern und Landwirten gehalten wurden. Die Notwendigkeit, heute eine immer großer werdende Anzahl von Menschen ernähren zu müssen, zwingt uns dazu, den Bodenertrag zu steigern. Jahrzehntelang wurde deshalb der Boden ausgeraubt. In dem landarmen Deutschland aber konnte man sich diesen Raubbau schon lange nicht mehr leisten. Justus von Liebig hat schon um 1850 den Weg zu höherem Ertrag durch künstliche Düngung gewiesen. Der Erfolg seiner Düngung war frappierend. Doch schon seit etwa 25 Jahren tauchen Zweifel an der Vollwertigkeit solcher auf Böden mit künstlicher Düngung gewachsenen Pflanzen auf. Die angebliche Zunahme von Krebs, Arteriosklerose, Nervosität, Magen- und Darmkrankheiten schrieb man diesen Pflanzen zu. In diesen Vorträgen wird nun nachgewiesen, daß eine Schädigung der Pflanze, des Tieres und des Menschen durch künstliche Düngung, wenn sie ordnungsmäßig durchgeführt wird, nicht erfolgt.

Interessant für jeden, der über den Einsatz und die Durchführung menschlicher Arbeit zu entscheiden hat, ist das Buch des bekannten Physiologen und Direktors des Max-Plank-Instituts für Arbeitsphysiologie in Dortmund:

Professor Dr. Gunther Lehmann: Praktische Arbeitsphysiologie“, Verlag Georg Thieme, 353 S., 33,– DM).

Dieses Buch ist ganz aus der Atmosphäre und den praktischen Erfahrungen des Ruhrgebietes geschrieben. In seinem Mittelpunkt steht der arbeitende Mensch. Die Erhaltung seiner Freude an der Arbeit und seines Leistungswillens, aber auch die rationelle Ausgestaltung der Arbeit ist das Ziel des Autors. So wird zum Beispiel der Maschinenbauer bei der Lektüre des Buches erkennen müssen, daß er zwar erstaunliche Maschinen konstruiert, der mit dieser Maschine arbeitende Mensch sich aber nur zu oft der Konstruktion unterordnen muß. Der bessere Weg wäre, die Maschine nach dem bedienenden Menschen einzurichten. Konstruiert man die Maschine aber so, daß zum Beispiel alle Teile, die für den Menschen erreichbar sein müssen, in optimaler Lage sind, dann wird der Arbeiter mehr schaffen, freudiger arbeiten und frischer bleiben. Die äußere Symmetrie hat dort nichts zu suchen, wo sie den Arbeiter zwingt, unnötige Wege zu machen.

Das Buch ist auch dem medizinischen Laien durchaus verständlich, da es eine ausführliche Fachworterklärung besitzt. Deshalb gehört es in die Hände von Betriebsführern und Betriebsräten, Konstrukteuren und Psychologen, Architekten und Bürovorstehern – in die Hände aller, die verantwortlich arbeitende Menschen betreuen.