Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Südafrikanischen Union sind stets gut gewesen und gelten auch heute als ausgezeichnet. Auf einem Gebiet jedoch, nämlich dem der Behandlung des deutschen Privateigentums, hat sich das bisher weniger ausgewirkt, als man auf Grund der sehr positiven Erklärungen erwartet hätte, die der Ministerpräsident Dr. Malan im Oktober 1948 abgegeben hat. Zwar haben inzwischen alle Deutschen, die bis zum 31. Mai 1952 nach Südafrika eingewandert sind, ihr Eigentum oder den Verkaufserlös ganz zurückerhalten, während alle, die nach diesem Termin einwanderten, den Erlös ihres südafrikanischen Eigentums bis zur Höhe von 5000 Pfund (60 000 DM) bekommen. Die Gesamtsumme der bisher an die Einwanderer ausgezahlten Beträge macht etwa 500 000 Pfund (6 000 000 DM) aus, also einen beträchtlichen Betrag. Aber noch befindet sich etwa das Zehnfache des ebengenannten Betrages, rund 5 000 000 Pfund, im Besitze des südafrikanischen Zwangsverwalters. Diese 5000 000 Pfund stammen aus dem inzwischen nahezu restlos liquidierten Privateigentum der in Deutschland wohnhaft gebliebenen Personen und Gesellschaften.

Wegen der Entschädigung der betroffenen Deutschen sind bereits Senatoren Und Abgeordnete bei der Unionsregierung vorstellig geworden. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, daß die Deutschen nach dem ersten Weltkrieg den Erlös ihres südafrikanischen Eigentums binnen 4 Jahren mit einem Abzug von 10 v. H. von der Regierung Smuts zurückerhalten haben, während jetzt seit Beendigung der Feindseligkeiten bereits acht Jahre vergangen sind. Diese Vorstellungen scheinen bisher wenig Erfolg gehabt zu haben. Die Widerstände liegen offenbar beim südafrikanischen Schatzamt, das den Standpunkt einnimmt, die Deutschen seien in Südafrika ohnehin besser behandelt worden als in anderen kriegführenden Staaten, und Südafrika müsse auf die Stimmung dieser Staaten Rücksicht nehmen. Um so erfreulicher ist, wie jetzt aus der südafrikanischen Presse zu entnehmen ist, daß offenbar der Ministerpräsident Dr. Malan noch vor den Parlamentswahlen in einer Wahlrede auf die Entschädigung eingehen wird. Es ist zu hoffen, daß seine Erklärungen die Lösung des Entschädigungsproblems fördern werden, zumal da sich unter den betroffenen Deutschen sehr viele Notleidende befinden. –l.