Auf den Weltwarenmärkten waren in den letzten Tagen stärkere Preisrückschläge zu verzeichnen. Winterweizen ging in New York vom 27. März bis 2. April um 4j cts, Roggen um 9s cts und Ssntos Kaffee um iVz cts zurück. In London ermäßigt sich Zinn um 39Vi Pfund, Kopra um 3s Pfund und Kautschuk um Vs d. Den Anlaß für die Positionslösungen boten die Friedensfühler Moskaus und die Erklärung des rotchinesischen Außenministers, die Verhandlungen hinsichtlich des Krlsgsgefangenenaustausches und über einen Waffenstillstand wieder aufzunehmen. In Washington und London werden die Vorschläge der sowjetischen Machthaber sorgfältig geprüft, ob es sich bei der jetzigen Aktion um einen tatsächlichen politischen Richtungswechsel handelt oder ob sie nur ein neuer Schachzug im Kalten Krieg darstellt, um die Wirtschaft der westlichen Welt in Unordnung zu bringen. Ohne Zweifel haben die neuen Machthaber im Kreml schwere Sorgen und es ist mit der Möglichkeit zu rechnen, SaB sie den Kalten Krieg wie auch den Koreakonflikt beenden wollen, um im Innern freie Hand zu erhalten.

Die Baisse ati den Börsen hätte nie ein solches Ausmaß angenommen, wenn nicht die politischen Ereignisse in der Woche vor Ostern bekannt geworden wären, in der an sich schon wenig Unternehmungslust besteht und die meisten Firmen es vorziehen, ihre Engagements aufzulösen. Es genügte daher ein kleiner Anstoß, um Preisabschläge größeren Umfangs eintreten zu lassen. Hinzu kommt, daß die Märkte äußerst sensibel sind und in der Mehrzahl noch nicht ihr inneres Gleichgewicht gefunden haben. Durch die staatlichen Eingriffe — wie Mindestausfuhrpreise, Stützungsaktionen, direkte und indirekte Subventionen und Vorratsreserven — sind die meisten Preise verzerrt und stehen mit der internationalen Kaufkraft nicht in Einklang, Solltensie sich jetzt auf einer niedrigeren Basis einspielen, so wird sich der Warenablauf wesentlich beschleunig enundder Welthandeleinekräftigere Be leb uagerfahren. Es wäre schon von großem Vorteil, wenn ein regerer Austauschverkehr zwischen der östlichen und westlichen Welt wieder in Gang käme, durch den die Wirtschaftskonjiinktur, die heute gewisse Ermüdungssymptome zeigt, eine starke Stütze erhalten würde.

Im Augenblick sind jedoch Überlegungen dieser Art Wunschträume. Bis eine endgültige Klärung der politischen Probleme erfolgt ist, werden noch lange Zeiträume verstreichen. Die Baissiers an den Börsen sprechen schon von einer Beendigung der Aufrüstung und einer Liquidation der Regierungsbestände. Optimisten rechnen sogar mit kräftigen Steuererleichterungen, weil mit den verminderten Rüstungsausgaben der Staat geringere Einnahmen braucht. Doch keine Regierung wird es verantworten können, die Rüstungsjnaschinerie zum Stillstand zu bringen, bevor nicht eine endgültige Befriedung herbeigeführt ist.

O. S e h