Am 15. April finden in der Südafrikanischen Union Parlamentswahlen statt. Im Wahlkampf stehen sich zwei Parteien gegenüber: die von Dr. Malan geführte „Nationalistische Partei“, in der das Burenelement sehr stark vertreten ist, und die in der Opposition stehende „Vereinigte Partei“, die das Sammelbecken aller englisch-orientierten Kreise ist. Diesen Kreisen wird von den Nationalisten vorgeworfen, ihre Bindungen zu England und zur britischen Krone seien stärker als zur Südafrikanischen Union und sie fühlten sich als Engländer und nicht als Südafrikaner. Die Nationalisten sind daher auch gewillt, die Union zur Republik zu erklären und nur noch eine lose Bindung zum britischen Commonwealth beizubehalten. Die „Vereinigte Partei“ will die Bindungen zu England aufrechterhalten und womöglich verstärken. Der Kampf der beiden Parteien ist also im Grunde eine Fortsetzung des Burenkrieges auf parlamentarischer Ebene. Beide Parteien wissen, daß der Sieger rücksichtslos seine Pläne durchführen und alles tun wird, um den Gegner nicht wieder an die Macht kommen zu lassen.

Der Wahlkampf ist ausschließlich eine Angelegenheit der Weißen, da die eingeborenen Neger nicht wahlberechtigt sind. Ihre Interessen werden im Abgeordnetenhaus durch drei weiße Mitglieder vertreten, die von der Regierung ernannt werden. Nur die in der Kapkolonie lebenden, durch einen gewissen Bildungsstand und Besitz qualifizierten Mischlinge haben das Recht, sich an der Wahl zu beteiligen und einen der weißen Kandidaten ihres Wahlbezirks zu wählen. Dieses Recht ist ihnen in der Verfassung, die England der Union im Jahre 1909 gegeben hat, zugestanden worden. Die 90 000 qualifizierten Mischlinge, deren Stimmen in etwa 22 Wahlbezirken des Kaplandes ausschlaggebend sind, werden ausnahmslos die Kandidaten der „Vereinigten Partei“ wählen, da die „Nationalisten-Partei“ beabsichtigt, die Mischlinge aus dem Parteienstreit der Weißen herauszuziehen und sie vier Sonderabgeordnete wählen zu lassen.

Die Aussonderung der Mischlingsstimmen ist ein Teil jener Rassentrennungspolitik Malans, deretwegen er mehr im Ausland als in der Südafrikanischen Union angegriffen wird. In der Rede, mit der der Ministerpräsident den Wahlkampf eröffnete, hat er erklärt, es gebe zur Lösung der Rassenfrage nur zwei Möglichkeiten: „Gleichheit, das heißt Abschaffung jeder unterschiedlichen Behandlung der Rassen, oder Apartheid, die zu beiden Seiten der Farbenschranke allen ihre eigene freie Entwicklung und Förderung nach ihrer Fähigkeit und dem Grad ihrer Zivilisation gibt.“ Auch die „Vereinigte Partei“ bejaht die Rassentrennung. Die Erkenntnis, daß sie bei einer anderen Einstellung sehr viele Stimmen verlieren würde, veranlaßte sie, noch in der letzten Sitzung des Parlaments dem Notstandsgesetz zuzustimmen, das der Regierung Malan uneingeschränkte Vollmachten bei Unruhen der Eingeborenen gibt. Diejenigen Kreise der „Vereinigten Partei“, die mit dieser Haltung nicht einverstanden sind, haben erklärt, daß sie sich nach der Wahl in einer neuen „Liberalen Partei“ zusammenschließen werden.

Die 2,6 Millionen Weißen in der Südafrikanischen Union, ob Buren oder Engländer, leben in der Furcht vor der schwarzen Gefahr. Darum werden die Mau-Mau-Unruhen in Kenia nicht ohne Einfluß auf die Wahlen am 15. April sein. Den Fehler, den die britische Verwaltung Kenias gemacht hat, indem sie Neger zugunsten neu ins Land gewanderter englischer Siedler enteignete, hat keine südafrikanische Regierung begangen. Ministerpräsident Malan konnte darauf hinweisen, „daß das Land, welches den Eingeborenen als ihr ursprüngliches Niederlassungsgebiet immer noch gehört, zusammen mit den Ländereien, die später auf Staatskosten weißen Besitzern abgekauft wurden, in der Union und Südwestafrika ein Territorium ausmacht, das siebenmal so groß wie England ist. In Südafrika sind die Eingeborenen des ihnen zugeteilten Gebietes ebenso sicher wie irgendein individueller Staat in Europa“. Aus dieser Richtung droht der Südafrikanischen Union keine Gefahr, wohl aber von dem schwarzen Industrieproletariat, das in den Gold- und Uranium-Bergwerken der zum größten Teil in britischen Händen befindlichen Trusts Hungerlöhne erhält.

Schließlich wird auch das Ergebnis der auf den 9. April festgesetzten Abstimmung der weißen Bevölkerung über einen Zusammenschluß von Süd- und Nordrhodesien und Njassaland zu einem zentralafrikanischen Bundesstaat nicht ohne Rückwirkung auf die Wahlen in der Südafrikanischen Union bleiben. Dr. Malan erhofft von einer Ablehnung der Föderation eine engere Anlehnung Südrhodesiens an die Südafrikanische Union. E. K.