L. St., Tokio, im April

Der Heiße Krieg in Korea und die Ausbreitung der Streitigkeiten in Indochina lassen erkennen, daß der Schwerpunkt des Ost-West-Konfliktes in Asien liegt. Durch die Beteiligung der Volksrepublik China ist der Korea-Feldzug zu einem Machtstreit zwischen den USA und der Volksrepublik China geworden; die UN-Truppen, ebenso wie die Nord- und Südkoreaner, spielen dabei lediglich die Rolle der Satelliten. In Erkenntnis dieser Tatsache versuchte die amerikanische Politik die Volksrepublik China von ihren Hilfsquellen abzuriegeln. Diesem Zweck diente die „Battle Act“ vom Mai 1951, wonach. die Ausfuhr strategisch wichtiger Waren nach der Volksrepublik China für die Mitgliedstaaten der UN untersagt ist. Japan als Mitunterzeichner des amerikanisch-japanischen Sicherheitspaktes wurde der „Battle Act“ gemäß verpflichtet. Die Regierung erließ eine Verordnung, wonach die Ausfuhr von etwa 90 Warengattungen nach der Volksrepublik China verboten wurde.

Dieses Verbot versetzte der japanischen Wirtschaft einen harten Schlag und gab zu heftiger Kritik Anlaß. Die Wirtschaft Japans beschuldigte die Regierung, daß sie mit ihrem einseitigen Ausfuhrverbot auf Kosten der japanischen Wirtschaft den Wünschen Washingtons allzu willfährig wäre. Es darf hierbei nicht unerwähnt, bleiben, daß die japanische Wirtschaft dem Warenverkehr mit China stets eine vitale Bedeutung beigemessen hat. In Japans Außenhandel spielte vor dem Kriege China eine wichtige Rolle.

Auf Druck der japanischen Wirtschaft unternahm die Regierung in Washington Schritte, die zur Aufhebung des Ausfuhrverbots nach der Volksrepublik China führen sollten. Nach hartnäckigen Verhandlungen gelang es im Juli 1952, eine Auflockerung der geltenden Ausfuhrbestimmungen zu erreichen: die Ausfuhr von japanischen Textilien nach China, gewisser Bekleidungsartikel aus Wolle, von Nähmaschinen, Textilmaschinen für Spinnereien, Farbstoffen und Fahrrädern wurde gestattet.

Peking braucht sowohl Kapital als auch Verbrauchsgüter und wäre bereit, diese im Werte von 150 Mill. $ aus Japan zu importieren. Es ist hier bekannt, daß die UdSSR und ihre Satelliten industrielles Rohmaterial, vor allem aber Werkzeugmaschinen, in beschränktem Maße liefern können. Man weiß ferner, daß die Sowjets bei Lieferung von Telefonapparaten, optischen Instrumenten und Kraftwagen sowjetischen Ursprungs bei schlechterer Qualität höhere Preise fordern als die Japaner. Peking ist an einem Kauf von japanischen Lokomotiven, Textilmaschinen, Werkzeugen, medizinischen und optischen Instrumenten, Ausrüstungen für Laboratorien, Photoapparaten und Grubenmaschinen interessiert. Japan könnte für diese Waren Salz, Kohle, Sojabohnen, Roheisen und sogar Reis erhalten, ferner auch Kaolin. Das sind für Japans Industrie und Ernährung sehr wichtige Produkte, obgleich es sie heute auch aus den USA beziehen kann.

Der Ausfall des chinesischen Absatzgebietes ist für die japanische Wirtschaft ein unersetzlicher Verlust. Japans Wirtschaftskreise drängen daher zur Normalisierung des Warenaustausches zwischen den beiden Ländern. Die Erfüllung dieses Wunsches setzt aber die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der Peking-Regierung voraus. Infolge des amerikanisch-japanischen Sicherheitspaktes sind der Regierung die Hände gebunden. Weil die USA die Anerkennung der Peking-Regierung ablehnen, muß sich auch Japan der Nichtanerkennung fügen. In der Frage der Beschlagnahme und Zurückhaltung von Waren und Schiffen empfindet Japan die Strenge der einseitigen USA-Ausfuhrkontrolle als unwürdig. Es ist kein Geheimnis, daß auf dem Schmuggelwege sogar strategisch wichtige amerikanische Waren chinesische Häfen erreichen. Aber auch Waren japanischer Herkunft gelangen unter den Augen der amerikanischen Kontrollen nach China.

Die Blockierung Chinas hat viele Lücken, und durch diese Lücken erreichen täglich schwerbeladene Frachter die chinesischen Häfen. Seit dem Korea-Krieg blüht der Schmuggel in Hongkong und Makao. Jetzt wird diesem Schmuggel – wenigstens im Falle Hongkong – das Handwerk gelegt. Aber die Schiffe können Hongkong umgehen und bei einem Umweg von nur 90 Seemeilen den Perlfluß aufwärts den chinesischen Hafen Kanton anlaufen. Mao Tse-tung hat bisher die Blockade kein allzu großes Kopfzerbrechen verursacht. Was Peking brauchte, konnte es beschaffen ...