Aufwiegelnd: „Hausfrau sein ist der einzige Beruf ohne Lohn und ohne Urlaub“ versucht der Film mit dem sentimentalen Kitschfilmtitel „Vergiß die Liebe nicht“ (Uraufführung „Die Barke“, Hamburg) eine Revolution und eine angebliche Rettung für die Ehefrauen und Mütter, die opferwillig und opferfähig in der Familie aufgehen, und, wie der Film unterstellt, dabeiihre Persönlichkeit verlieren. Aber das Gegenteil ist richtig: diese mütterlichen Frauen sind zumeist starke Persönlichkeiten. Und der ruhende Hort einer Familie zu sein ist nicht belächelnswert, sondern eine der größten menschlichen Bewährungsproben für eine Frau. Wenn wir uns dazu nicht mehr bekennen, gehen wir der Auflösung unseres gesellschaftlichen Lebens entgegen. Da dieser Film das Thema aber gar nicht klärend aufgreifen will, sondern unterhaltend und harmlos sein soll, so beginnt er, glücklicherweise gleich Farbe bekennend, mit handfesten und lauten Übertreibungen. Die Familienmitglieder eines gehobenen Bürgerhaushaltes wirken schon beim ersten Frühstück leicht neurotisch. In einem amerikanischen Film hätte man sie gemeinsam in die Familiensprechstunde eines Psychotherapeuten geschickt. Hier fährt der egoistische Vater mit den Kindern ins Allgäu. Die armselig zurückgelassene Mutter begibt sich auf Abwege in die Schweiz. Nun häufen sich die für die Ehefrau glücklichen, für den Ehemann unglücklichen Zufälle. Sie, eine einst vielversprechende Pianistin, springt als Begleiterin eines großen Sängers ein – einer Reisebekanntschaft übrigens –, obwohl sie jahrelang nicht spielte und auch keine Zeit zum Oben bleibt. Das gibt ihr am Flügel, wie es immer in Filmen an solchen Stellen geschieht, Gelegenheit, liebesträumerische Zwangsvorstellungen (vom großen Sänger natürlich) zu haben, obwohl sie doch, aus der Übung, wie sie ist, mit äußerster Konzentration um ihr Spiel bemüht sein müßte. Derweil steht der Ehemann im Konzertsaal hinter der Säule. Krach? Trennung für immer? Nein. Beschwichtigendes Ende: Er kehrt zurück in den Familienhafen. Sie kehrt zurück. Der edelmütige Sänger verzichtet, nachdem er sich ohne Scheu vom Glück im kleinen Landhäuschen überzeugt hat...

Luise Ullrich spielt die Rolle der vernachlässigten Frau. Sie findet Töne so voller Charme und Natürlichkeit im klug abwägenden Einsatz ihrer Mittel und holt so viel heraus aus den oft recht geschickten Dialogen, daß der Film in seinem Niveau um vieles gehoben wird. Auch Will Quadflieg als Sänger und Paul Dahlke als gehemmter Ehemann verhelfen durch ihre noble Darstellung dazu, obwohl ihre Rollen undankbar sind und schemenhaft bleiben. Mit sehr notwendigem Takt und Delikatesse führt Paul Verhoeven Regie, und dadurch, daß er raffiniert zwei Stimmen der Ullrich einsetzt, eine, die ihre Gespräche, und eine andere, die ihre Gedanken ausdrückt, gibt er diesem Film eine besondere Note. Wenn auch dieser filmtechnische Kniff nicht neu ist, so ist er hier glücklich angewandt. (Drehbuch: Juliane Kay.)

E. M.