Jeder Amerikaner ist heute stolz darauf, den vergleichsweise höchsten Lebensstandard in der Geschichte der USA und den höchsten in der Welt erreicht zu haben, Die amerikanische Durchschnittsfamilie lebt besser und kleidet sich besser als je, sogar um 40 v. H. besser als selbst während der sagenhaften prosperity Ende der zwanziger Jahre. Der Preisindex für die Lebenshaltungskosten liegt zwar noch um etwa 190 v. H. über dem Vorkriegsstand, d. h. die Kaufkraft des Dollars beträgt nur noch annähernd die Hälfte von damals, Aber Mr. Average, der Durchschnittsamerikaner, kann dennoch für die nächste Zeit mit erfreulich stabilen Preisverhältnissen in seinem täglichen Leben rechnen, ja sogar mit einem langsamen Fallen der Lebenshaltungskosten, um etwa 2 v. H. im laufenden Jahr.

Trotzdem ist dieser Mr. Average in den Staaten ebensowenig ein reicher Mann wie woanders in der Welt. Gewiß, er hat ein Haus und ein Auto, aber er arbeitet fleißig und gönnt sich wenig (um die Abzahlungsraten aufzubringen). Mit 3000 $ im Jahr führt er ein zufriedenes Leben, schon, weil die Überzeugung von dem eigenen Lebenserfolg in Amerika zum guten Ton gehört und weil er froh ist, nicht zu jenem Drittel der Bevölkerung zu gehören, das weniger als 2000 § im Jahr verdient und damit, wenigstens nach amerikanischen Anschauungen, weniger als das Existenzminimum hat. Aber es ist keineswegs so, wie es sich Familie Meyer bei uns so oft vorstellt, daß das Leben für Mr. Average in Amerika nichts mehr zu Wünschen übrigließe.

Mr. Average ist ein kleiner Angestellter in einem Lebensmittelgeschäft, einem von 34 Kettenläden in einer mittleren Stadt des amerikanischen Westens, 26 1/2 Jahre alt, seit fast sieben Jahren verheiratet und Vater von drei Kindern. Er hat mit 50 $ in der Woche bei seiner Firma angefangen und „macht“ zur Zeit 68. Normalerweise steigt sein Einkommen in jedem Jahr um 2 bis 3 $ in der Woche. Das ist nicht allzuviel und muß jedesmal bei dem Arbeitgeber mit Unterstützung der Gewerkschaft ausgehandelt werden. Aber Mr. Average hat die Aussicht, einmal Geschäftsführer mit 100 $ Wochenverdienst zu werden, womit sich auch der jährliche Bonus in Höhe von 5 v. H. des Nettoertrages, den seine Firma auszuschütten pflegt und der ihm bereits heute einen auszuschütten von etwa 800 $ erbringt, bis auf etwas über tausend $ steigern läßt.

Mr. Average hat es bisher nicht leicht gehabt. Während des Krieges kam er als Matrose zur Handelsmarine. Mit den Ersparnissen aus diesen 2 1/2 Jahren, die 4000 $ betrugen, finanzierte er ein halbes Jahr den Besuch einer Handelsschule, die 1200 $ kostete, den Kauf eines alten Ford (Baujahr 1949, Preis 1195 $) und den Start in die Ehe im Alter von 20 Jahren. Damals hatte Tom am Abend zusätzlich den Kundendienst für eine Reinigungsfirma versehen, um 5 bis 6 $ am Tage dazu zu verdienen, und auch Mary hat ihre Stellung als Sekretärin an einer Grundschule für 160 $ monatlich nach der Heirat zunächst beibehalten, um bei den Anschaffungen zu helfen (obgleich sie nur 140 $ ausbezahlt bekommt). Sie ist an Arbeit gewöhnt. Schon auf der High School hat sie in ihrer Freizeit in Swifts Packing Office getippt und Rechnungen ausgeschrieben; für 13 $ in der Woche; ein notwendiger Zuschuß für ihre Kleidung.

Das frischgebackene Ehepaar zieht dann in eine möblierte Zweizimmerwohnung in einem Wohnblock des Federal Housing Authority, unserem Sozialen Wohnungsbau entsprechend. Die Mietkosten liegen mit 37,50 $ monatlich, einschließlich Licht, Wasser und Heizung, sicher um ein Drittel unter dem üblichen Mietpreis für ein Schlafzimmer, einen Wohnraum mit Küche und Bad. So sind beide in der Lage, in den ersten Monaten ihrer Ehe zunächst einen Kühlschrank für 250 $, eine Waschmaschine für 150 $ bar, in den ersten zwei Ehejahren weiterhin einen Sessel für 300 8, einen Staubsauger und einen elektrischen Herd für je 200 $ gegen monatliche Abzahlungsraten in Höhe von 25 $ zu kaufen; späterhin eine gebrauchte Nähmaschine für 75 $ und einen Satz Serviertische für 50 8, wohingegen das Sofa, das fast 400 $ kostet, gegen 10 $ Monatsrate erst kürzlich angeschafft werden konnte und das Schlafzimmer bis heute mit geborgten Möbeln eingerichtet ist...

Tom hat während dieser Zeit seinen Job mehrfach gewechselt. Zuerst war er ein Jahr lang mit 175 $ Monatsgehalt Buchhalter, dann arbeitete er in einer Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, bis er dort mit einem Endgehalt von 245 $ im Monat ausschied, um in die Firma zu gehen, in der er heute ist.

Man sollte es eigentlich nicht für möglich halten, daß Mr. Average ein Haus besitzt, ja, er wohnt bereits in Nummer zwei. Nach vierjähriger Ehe beschloß er, sich 500 $ bei der Kreditgenossenschaft (credit union) seiner Firma zu borgen und 300 $ davon als Anzahlung auf ein Eigenheim, die restlichen 200 $ als Umzugskosten zu verwenden.