Die vielen Handicaps, unter denen die westdeutsche Landwirtschaft ihre Existenz zu behaupten hat, machen ihr das Leben verteufelt schwer. Und in den letzten Monaten hat sich diese Situation eher verschlimmert als gebessert: Brot- und Futtergetreide sind am Weltmarkt wieder auf den Ausgangspreis zurückgegangen, der vor der ungesunden Korea-Hausse bestand. Doch es fragt sich, ob mit den ständigen Protesten gegen die preisgünstigeren Angebote des Auslandes in Butter, Eiern, Obst und Gemüse alles getan ist, was getan werden kann? Es fragt sich ferner, ob wir es uns leisten können, daß im Laufe des Wirtschaftsjahres aus den Getreideimporten rund 200 bis 300 Mill. DM vom Staat vereinnahmt werden, wenn das Getreide zu dem gegenwärtigen Inlandpreis in den Markt geschleust wird? Eine derartige Belastung unserer Volkswirtschaft ist ohne Zweifel für die Dauer untragbar, wie es auch nicht im Interesse der Landwirtschaft liegen kann, das eingeführte Futtergetreide (2 Mill. t je Jahr) infolge der Abschöpfungen so zu verteuern, daß in Westdeutschland z. B. Schweinefleisch und Eier zu Preisen produziert werden, die hinter der Auslandskonkurrenz hoffnungslos nachhinken.

Was ist dagegen zu tun? Blicken wir einmal über die Grenzen: Unsere Nachbarländer haben sehr schnell das niedrige Preisniveau des Futtergetreides ausgenutzt und erzeugen entsprechend billige Veredlungsprodukte für den eigenen Bedarf und für den Export. Sie sind es, die unserer Landwirtschaft erhebliche Sorgen bereiten und dann die bekannten Proteste auslösen. Sollte es uns nicht möglich sein, diesem Beispiel zu folgen?

Zu einer spürbaren Preissenkung unserer Agrarerzeugnisse können wir nur über eine Senkung der Produktionskosten kommen. Sie wäre die Voraussetzung für eine Absatzsteigerung auf dem innerdeutschen Markt, steht es doch fest, daß wir bisher weder bei Butter noch bei Fleisch und Eiern die Verbrauchsziffern der Vorkriegszeit erreichen konnten. Und ist die Reaktion der Verbraucher auf die hohen Butterpreise und ihr Ausweichen zur Margarine nicht ein beredtes Beispiel.

Man sollte sich an. zuständiger Stelle – also im Bundesernährungsministerium und bei der Landwirtschaft – ohne jedes Vorurteil mit dem nicht nur von der Futtermittelindustrie vertretenen Gedanken vertraut machen, daß eine Freigabe der Futtergetreidepreise aus der Inlanderzeugung und das Einstellen der Abschöpfungen bei Auslandsgetreide einen entscheidenden Wandel in der Spalte der Produktionskosten bringen würde. Die Einnahmebilanz unserer Landwirtschaft könnte durch die Freigabe der Futtergetreidepreise nicht nachteilig beeinträchtigt werden. Im Vorjahr verkaufte sie Futtergetreide im Werte von 47 Mill. DM, ein Posten, der in ihrer Bilanz wirklich uninteressant ist. Auch die Einbußen beim Verkauf von Industriegetreide (700 000 tim Jahr) wären nicht ausschlaggebend, wenn es gelingen würde, die Einnahmen aus dem Brotgetreide mit bisher 1,2 Mrd. DM zu steigern, weil mit billigem Futtergetreide die augenblickliche Verführung von Roggen und Weizen zurückgedrängt werden würde. Den geringen Nachteilen aber ständen die höheren Verkaufserlöse aus den Veredelungsprodukten Fleisch, Eier, Milch und Butter positiv gegenüber. Und außerdem könnte mit der Erhöhung der Rentabilität in der Veredelungswirtschaft den kleinen Betrieben – sie sind die Sorgenkinder unserer Agrarpolitik – sicher entscheidend geholfen werden. ww.