Beirut, im April

Wer heute mit dem Schiff oder dem Flugzeug Beirut erreicht, der wird sich vergeblich nach Kamelen und Karawanen, umsehen. Wohl sitzen, noch Bettler auf den Straßen und strecken flehend die Hände aus. Wohl findet er nachts in den Straßen noch Arme, die, den Kopf auf den Rinnstein gelegt, schlafen. Aber die Zeit der Karawanen, Harems und Scheichs ist vorüber. Längst sind moderne Autostraßen an die Stelle der Karavanenwege, Hotels und Tankstellen an die Stelle der Karawansereien und Raststätten getreten.

Seit mehr als 15 Jahren befindet sich der arabische Raum im vollen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aufbruch. Im ununterbrochenen Strom fließt das Öl von Irak und Saudi-Arabien nach Tripoli und Saida in Libanon. Im ununterbrochenen Strom fließen Gold und Waren zurück nach Irak und Saudi-Arabien. An den Rändern der Großstädte Damaskus, Teheran, Bagdad, Riad wachsen moderne Fabriken.

Libanon bis 1943 zusammen mit Syrien französisches Mandat, zu 80 v. H. christlich, bewohnt von den Nachfahren der alten Kauffahrerschaft der Phönizier, ist nur ein gebirgiger, schmaler Küstenstreifen von 10 400 qkm mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern. Dieser schmale Küstenstreifen mit seiner Metropole Beirut ist unbestritten das Tor zum arabischen Raum. Wer wirtschaftlich in den arabischen Raum vorstoßen will, der tut es von hier aus. Hier werden die großen Geschäfte, die Dreiecksgeschäfte, in alle Welt getätigt. Hier werden, die Preise durch geschickte Kurskonvertierung niedrig gestimmt, hier laufen die Verbindungen aus allen arabischen Ländern zusammen. So kommt es, daß die Transitzahlen die eigenen Im- und Exportzahlen des Landes weit um ein vielfaches übersteigen.

– Syrien hatte es nach seiner Befreiung schwerer. Aber mit Umsicht und Geschick ist die Regierung an die Lösung der Probleme herangegangen. Besondere Aufmerksamkeit hat die Regierung dem Weizenanbau und dem Baumwollanbau gewidmet. Heute liefert Syrien eine vorzügliche Baumwolle vom Texastyp "Lone Star". Der Baumwollertrag hat sich seit 1948 verzehnfacht, der Weizenertrag verdoppelt. In Verbindung damit ist auch eine Industrie entstanden. Noch besteht das Problem der Straßen. Der Hafen Lattakia soll großzügig ausgebaut werden, wobei die Jugoslawen den Deutschen in letzter Minute den Rang abliefen.

Irak hat begonnen, eine Reihe von Projekten zu verwirklichen und dafür bedeutende Geldsummen einzusetzen. Vor allem sind es große Bewässerungs- und Wasserregulierungsprojekte, Brückenbauten, Straßenbauten und Industrieanlagen.

Saudi-Arabien nutzt unter der geschickten Staatsführung Ibn-Sauds, der sich seinerzeit sein Reich mit 40 seiner Getreuen wieder eroberte und sich dann nicht nur als geschickter Staatsmann, sondern auch als geschickter Wirtschaftler erwies, seine Erdölfunde aus. Die Direktoren der ARAMCO (Arabian-American-Oil-Company) wissen davon zu berichten, wie ihnen manches Zugeständnis abgerungen wurde. 1931 erst wurde die Erdölförderung aufgenommen und 1951 betrug sie bereits über 26 Mill. t jährlich.