In der Öffentlichkeit bringt sich seit einiger Zeit immer mehr der "Bund der Steuerzahler" zur Geltung, dessen Bedeutung aus natürlichen Gründen im selben Maße wächst, wie der Steuerdruck zunimmt. Die Finanzverwaltung hat natürlich an der Existenz dieses Bundes wenig Interesse, da er doch nichts als Kritik in die Öffentlichkeit trägt. Wohl aus diesem Grunde hat das Finanzministerium in Rheinland-Westfalen kürzlich durch einen Erlaß die Finanzämter beauftragt, den Vereinsbeiträgen für den "Bund der Steuerzahler" die steuerliche Abzugsfähigkeit zu versagen, das heißt: sie nicht als Betriebsausgaben anzuerkennen. Die Zwecke des Bundes – so heißt es in dem Erlaß – seien überwiegend staatsbürgerlicher Natur; sie gehörten daher in den Bereich der privaten, nicht der betrieblichen Sphäre.

Darüber kann man gewiß auch anderer Meinung sein, denn das Interesse an steuerlicher Beratung, am Hineinleuchten in die öffentlichen Ausgaben und an der Aufklärung der Öffentlichkeit, die sodann als Wächter von Recht und Billigkeit im Steuerwesen aufzutreten vermag, werden viele sehr wohl als ein betriebliches Interesse anerkennen. Vielleicht werden die Finanzgerichte sich noch zu äußern haben, ob der Erlaß gültig ist. Auf jeden Fall aber wird die Öffentlichkeit den Eindruck haben, daß die Finanzverwaltung hier als Richter in eigener Sache auftritt. Und gerade dieser Eindruck sollte doch lieber vermieden werden! Die Harmonie zwischen Steuerzahler und Finanzverwaltung ist ohnehin nicht allzugroß. W. G.