Am 17. April wird in Mexiko City das Internationale Olympische Comité zu einer Tagung zusammentreten. Auch der Präsident des Deutschen Olympischen Ausschusses, Dr. Karl Ritter von Halt, ist mit von der Partie und wird auf der Hut sein müssen, denn auf der Tagesordnung stehen einige Punkte, die uns Deutsche besonders interessieren. Zunächst freilich soll die Tagung klären, wo die Spiele des Jahres 1956 stattfinden werden.

Vielleicht, daß es den Australiern gelingt, die Spiele für ihr Land zu retten. Allerdings ist die Geldfrage keineswegs befriedigend gelöst, auch macht die Quartierfrage Kummer. Das IOC möchte die Errichtung eines "Olympischen Dorfes" vorschlagen, obwohl man sich denken könnte, daß Sportler auch in Hotels gut untergebracht sein würden. Schließlich gibt es für die Reiterwettbewerbe Schwierigkeiten Australiens Gesetze verlangen nämlich eine sechsmonatige Quarantänefrist. Die Pferde müßten also ein halbes Jahr vor Beginn der Spiele nach Melbourne geschickt werden. Wer wird sich damit einverstanden erklären?

Hochpolitisch, und für uns recht prekär, wird es werden, wenn die Rede auf Deutschland kommt. Man wird zweifellos über die Aufnahme des Nationalen Komitees der Ostzone debattieren. Glaubt man im Ernst, wie es Eric von Frenckell, der Organisator von Helsinki, in einem Interview mit dem Hamburger "Sport" gesagt hat, daß durch die Anerkennung der Ostzone als selbständiges "Sportland" wirklich die Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt werden, die den "Sportverkehr zwischen Ost und West immer wieder zu hemmen geeignet sind"? Wir sind ganz anderer Ansicht. Gar nichts wird sich dadurch ändern! Sollte aber der deutsche Delegierte bei der Tagung in Mexiko City dem zustimmen, erkennt er damit die Zweiteilung unseres Landes an. So sehr gerade wir immer für westdeutsche Konzessionen an die Sportler der Ostzonen eingetreten sind –: in diesem Punkte, so meinen wir, sollten wir Deutschen kein Nachgeben dulden, selbst auf die Gefahr, daß wir selbst dem IOC den Rücken kehren müßten. K.