Die Tatsache, daß die Deutsche Handwerksmesse in Bayerns Landeshauptstadt München bereits zum fünften Male durchgeführt wird, ist ein Beweis dafür, daß sich der Gedanke einer eigenen Leistungsschau und eines eigenen Einkaufsmarktes für das Handwerk allen düsteren Prognosen zum Trotz erfolgreich durchgesetzt hat. Dank einer geschickten Regie und künstlerischen Leitung hat sich dieses "Schaufenster" einer gewichtigen Gruppe der gewerblichen Wirtschaft zu einem neuen Markttyp entwickelt, der in glücklicher Weise das Leben einer reinen Verkaufsmesse von Erzeugnissen handwerklicher Wertarbeit mit den Merkmalen einer repräsentativen Ausstellung vereint, die einen eindrucksvollen Querschnitt durch den Leistungsstand bestimmten Handwerksgruppen vermittelt. Was etwa auf dem Gebiet der Wohnkultur, des Kunsthandwerks, der Mode gezeigt wird, beweist den erstaunlichen Schöpfungs- und Leistungswillen sowie das Streben nach Selbstbehauptung der Handwerkswirtschaft in der rauhen Luft der Wettbewerbswirtschaft.

Von dieser Wertung sind die ausländischen Aussteller nicht ausgenommen. Gerade im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung und der nivellierenden Massenfertigung stellt sich das Handwerk unter steigender Nutzung des technischen Fortschritts auf dem Gebiet moderner Fertigungsmethoden und auch des Gebrauches mechanisierten Werkzeugs mehr denn je auf die Befriedigung eines individuellen Bedarfs ein. Hierin sehen weitsichtige Kreise des Handwerks wohl mit Recht seine wohlverstandene Aufgabe und einen dauerhaften Lebensraum. Der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Richard Uhlemeyer (Hannover), sprach anläßlich der Eröffnung der Handwerksmesse von einem "aufrüttelnden Aufruf zu Fortschritt, Freiheit und Gemeinschaft", während Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard mit seinem erneuten Bekenntnis zur Handwerksordnung und zum Befähigungsnachweis der Hoffnung Ausdruck gab, daß das Handwerk seine Chancen mehr in der Bewährung als etwa in der Bewahrung zu nutzen verstehe. Vo.