Es ist kaum anzunehmen, daß der Schatzkanzler Butler die wirklichen Probleme der Finanz- und Wirtschaftspolitik unterschätzt. Die Belastungen aus dem vergangenen Kriege und aus der Nationalisierungs- und Subventionspolitik der Labour-Regierung sind leicht erkennbar. Die fundierte Staatsschuld ist im vergangenen Jahre um 160 Mill. £ auf 26.050 Mill. £ angewachsen. Am 31. März 1939 betrug diese Schuld nur 7.131 Mill. £. Im neuen Finanzjahr erfordert der Schuldendienst der funcierten Staatsschuld allein 615 Mill. £, oder 14,5 v. H. der geschätzten ordentlichen Gesamtausgaben. Die Vorbelastung infolge der Kosten des Wehkrieges ist daher sehr hoch. Ein anderes Erbteil aus dem vergangenen Kriege sind die Sterling-Guthaben, d. h. im wesentlichen die Gegenwerte für Kriegslieferungen der Dominions und der anderen verbündeten Staaten. Sie verursachen Warenausfuhren, die finanziell ohne Gegenwirkung bleiben.

Der Grundsatz hoher Leistungen in der sozialen Fürsorge und in der Erziehung ist auch von der konservativen Regierung anerkannt. Butler selbst hat während des Krieges eine großzügige Reform des gesamten Schul- und Erziehungswesen durchgeführt. Das neue Budget zeigt deshalb eine erneute Steigerung der Sozialausgaben. Hohe Fürsorgdeistungen und steigende Lebenshaltungskosten haben in den vergangenen Jahren zu einer Verminderung der sogenannten "kleinen" Sparguthaben geführt. Das sind im wesentlichen die Kontensparguthaben. Der Überschuß der Auszahlungen über die Einzahlungen verminderte den Gesamtbestand dieser wirklichen Sparguthaben um 86 Mill. £ in 1951/52, und noch einmal um 118 Mill. £ in 1952/53. Die Gesamtguthaben sind dadurch auf 6.020 Mill. £ gesunken.

Das neue Budget zeigt ebenso klar, daß Butler eine bessere Grundlage für die Notwendigkeit schaffen will, mehr zu investieren, mehr zu produzieren, mehr auszuführen und mehr zu sparen. Er hat, das erste Mal seit dem Kriege, keine neuen Steuern eingeführt. Die Einkommensteuer ist leicht vermindert. Das ist nicht viel mehr als eine symbolische Verringerung. Sie verrät die Absicht, nach den Erfolgen der neuen Politik ohne Restriktionen weitere Abstriche zu machen. Alle Steuern auf den Verkauf bestimmter Waren, die sogenannte "Purchase Tax", ebenfalls ein Überbleibsel des Krieges, sind im Durchschnitt um ein Viertel herabgesetzt. Die Absicht, diese Steuer wie auch die Subventionen auf längere Sicht ganz verschwinden zu lassen, ist offensichtlich. Die Industrie ist besonders interessiert an der Wiedereinführung der Steuerfreiheit für Teile der neu investierten Kapitalien. Dies neue Budget wird somit zweifellos manche Funktionen der Marktwirtschaft wieder zur Geltung bringen.