Als zu Beginn dieses Monats der Sicherheitsrat in der Frage der Nachfolgeschaft für den Generalsekretär der UNO, Trygve Lie, sich ziemlich unerwartet auf die Person des Schweden Dag Hammarskjoeld einigte, war diese Wahl für den Betroffenen selbst überraschend. Er sagte, er habe zunächst geglaubt, es handele sich bei der Nachricht um einen Aprilscherz. Dag Hammarskjoeld – sein Name bereitet den Amerikanern, die ihn Hammarshield oder Hammarscold nennen, offenbar Schwierigkeiten, wird aber richtig ausgesprochen Hammerschöld – entstammt einer konservativen Beamtenfamilie. Der Vater war sechsmal Minister und während des ersten Weltkrieges Ministerpräsident. Der Sohn gehört keiner Partei an. Er ist in erster Linie Wirtschaftler; mit einem hervorragenden Nationalökonomen, dem ehemaligen Finanzminister Wigfors, verband ihn jahrelange Freundschaft.

Doch wenn er auch in der internationalen Welt als Nationalökonom gilt, so schätzt man ihn in den schöngeistigen Kreisen seiner Heimat besonders als Kenner der französischen, englischen und deutschen Literatur. Eliot und Rilke gehören zu seinen Lieblingsautoren. Oft wurde sein Name in Verbindung mit der Schwedischen Akademie, "De Aberton", genannt, als einer, der geeignet wäre, in diesen Kreis der Auserwählten aufgenommen zu werden. Gemeinhin ist er die Pünktlichkeit in Person. Wenn es aber etwas gibt, das ihn verführen kann, die strenge Einteilung seines Arbeitstages zu übertreten, dann sind es die bouquinnistes, die kleinen, fliegenden Buchhandlungen und Antiquariate. Das hat seinen Begleitern auf Konferenzen in Paris und anderen Hauptstädten manchen Kummer bereitet. Am wohlsten ist ihm, wenn er allein auf einer Skifahrt ist; Geselligkeit schätzt er nicht besonders.

Als ständiger Delegierter im Europarat war er Anhänger einer engen europäischen Zusammenarbeit, und deshalb war es ganz natürlich, daß er den Kompromiß fand, der Schweden im Europa-Rat hielt, als Unden mit dem Austritt drohte. Ebensogut jedoch kann er auch kompromißlos sein. So hat er die drei scharfen Noten an die Sowjetunion entworfen, nachdem schwedische Flugzeuge über der Ostsee abgeschossen worden waren. Obwohl er seit 1949 stellvertretender Außenminister im schwedischen Kabinett ist und daher seine Politik mitbestimmt hat, glaubt er nicht an einen Neutralismus, den man unter allen Umständen aufrechterhalten kann; er hat nie einen Zweifel daran gelassen, daß Schweden, wenn es um eine Entscheidung geht, sich unter allen Umständen für den Westen erklären wird.

Das Amt des Generalsekretärs der UNO, das er, jetzt übernimmt, bedeutet nur das, was.sein Inhaber aus ihm macht. Als Chef von 4000 Angestellten wird Hammarskjoeld die Lösung von Problemen unternehmen müssen, die sein Vorgänger Trygve Lie nicht bewältigen konnte. Einige amerikanische Senatoren – McCarran und McCarthy – haben Angriffe gegen Mitglieder des UNO-Sekretariats gerichtet wegen angeblicher Infizierung durch kommunistische Einflüsse. Als diese Frage in der UNO debattiert wurde, hat Hammarskjoeld unmißverständlich erklärt, daß er gegen die Einmischung politischer Kreise eines Mitgliedstaates in die Angelegenheiten des Generalsekretariats sei. Er wird sich jetzt mit diesen Angriffen auseinandersetzen müssen und die Autorität der Weltregierung, die nicht existiert, aber deren Vertreter er ist, gegen nationalistische Einflüsse zu verteidigen haben. Das wird die erste Frage sein, in der er seine Würde bewähren muß. Nur wenn ihm dies gelingt, könnte es ihm möglich werden, den Verband der UNO in den kommenden Auseinandersetzungen zwischen dem kommunistischen Osten und dem freiheitlichen Westen intakt zu halten.

Engdahl-Thygesen