Der siebenjährige Krieg in Indochina hat durch die Offensive starker kommunistischer Vietminh-Streitkräfte in das Gebiet des Königreichs Laos ein neues Stadium erreicht. Zwei Eliteverbände der Vietminh, die 308. und 312. Division, die nach Überquerung des Schwarzen Flusses im Raum von Moc Chau an der Grenze von Laos versammelt worden waren, sind mit ihren Vorausabteilungen an der Festung Sam Neua vorbeigestoßen, um die auf dem Rückzug nach der befestigten Stadt Sieng Khuang befindliche viertausend Mann starke Garnison von Sam Kern abzuschneiden. Gegen etwaige Ausfälle der sechstausend Mann starken Garnison der Festung Nasan am Oberlauf des Schwarzen Flusses, die seit November vorigen Jahres von jeder rückwärtigen Landverbindung abgeschnitten ist und nur auf dem Luftwege versorgt werden kann, hat das Vietminh-Oberkommando die 316; Division bereitgestellt. Gleichzeitig mit dem Vormarsch aus dem Raum von Moc Chau sind Verbände der 308. und 312. Vietminh-Divison von Vinh aus auf der Königin-Astrid-Straße in Richtung auf Sieng Khuang vorgestoßen. In der Nähe dieser Stadt wird es wahrscheinlich zu einem Kampf kommen, von dessen Ausgang das Schicksal vonLaos abhängt. Ein großer Teil der Einwohner der Stadt befindet sich auf der Flucht nach der Landeshauptstadt Luang Prabang.

In Paris wird die Lage als sehr ernst angesehen. Dort hat man wenig Hoffnung, den Vormarsch der Kommunisten aufzuhalten, zumal da in wenigen Wochen die Regenzeit die Luftwaffe lähmen wird. In dieser Lage hat der Ministerpräsident von Laos, Prinz Suvana Phuma, einen Appell an die UNO und an alle freien Nationen gerichtet, in dem er gegen die Invasion seines Landes durch die Vietminh-Truppen protestiert. Diesem Protest hat sich die französische Regierung angeschlossen und gleichzeitig der Bevölkerung von Laos die herzliche Sympathie der französischen Nation zugesichert. Diese Sympathiekundgebung nutzt Laos freilich im Augenblick nichts. Was das Land dringend braucht und wozu Frankreich sich in dem im Juli 1949 abgeschlosssenen Vertrag mit Laos verpflichtet hat, ist militärischer Schutz, der aber, wie sich jetzt herausstellt, vernachlässigt worden ist. Frankreich hat zwar neben einigen kleinen Garnisonen eine Militärmission unter Führung eines Obersten unterhalten, die eine Nationalarmee aufstellen und ausbilden sollte; die Durchführung dieser Aufgabe ist aber aus politischen Gründen nicht beschleunigt worden. Die reguläre Armee von Laos zählt nur 9000 Mann, die von französischen Offizieren befehligt werden. Durch Einberufung der Miliz kann das Heer etwa verdoppelt werden. Der greise Staatschef, König Sisawang Wong von Luang Prabang, der am Tage der Proklamation der Unabhängigkeit der drei indochinesischen Staaten im Rahmen der Französischen Union im Juli 1949 einenFreundschafts- und Sicherheitspakt mit Frankreich abschloß, hatte damals große Schwierigkeiten, die Zustimmung des Parlaments zu dem Vertrag zu erhalten.

Das Ziel der Vietminth-Offensive scheint die Eroberung der Landeshauptstadt Luang Prabang zu sein. Über die möglichen Rückwirkungen der Vietminh-Offensive auf die Bevölkerung des Königreichs Kambodscha erklärte der Herrscher dieses Landes, König Norodom Sihamuk, das Volk könnte sich möglicherweise schon bald erheben und den Vietminh anschließen, wenn die Franzosen Kambodscha nicht eine größere Unabhängigkeit gewährten. Die Regierung in Peiping, durch deren Waffen- und Ausbildungshilfe die Vietminh-Offensive gegen Laos ermöglicht wurde, hat ihr auch auf politischem Gebiet eine wirksame Unterstützung dadurch gegeben, daß sie in der an Laos grenzenden Provinz Jünan eine autonome Regierung der Thai-Nationalitäten Jünans" errichtete, die nach den Worten des französischen Ministerpräsidenten René Mayer ein magnetischer Pol sein soll, der seine Anziehungskraft auf die Thai-Stämme Chinas und Indochinas ausübt. E. K.