Von W. F. Kleffel

Als wir vor etwa anderthalb Jahren nach dem widerlichen Kampfe des deutschen Boxmeisters im Halbschwergewicht Wilhelm Hoepner gegen seinen Herausforderer Gerhard Hecht, in dem der letzte schrecklich zusammengeschlagen wurde, hier schrieben, die Manager wollten Blut, irrten wir offenbar: sie wollten weiter nichts als Geld, mag auch das Ansehen des Sports dabei zum Teufel gehen. Jetzt aber scheint es allmählich zu dämmern. Selbst den unentwegten Anbetern des sportlichen Materialismus, die noch immer für alle offensichtlichen Mißstände in Betriebe unserer Leibesübungen eine Entschuldigung hatten, ist diesmal "der Hut hochgegangen", als der Bund deutscher Berufsboxer beschloß, die seinerzeit gegen den westdeutschen Rowdy Peter Müller ausgesprochene Disqualifikation wieder aufzuheben.

Der "kölsche Aap" hatte seinerzeit aus Verärgerung über eine ihm nicht genehme Entscheidung im Ring statt seinen Gegner einfach den Ringrichter k. o. und aus den Seilen geschlagen, war dann zur Beobachtung seines Geisteszustandes in eine Nervenheilanstalt eingewiesen worden und schließlich nach einem kurzen Zwischenspiel als Taxichauffeur zu den Catchern hinübergewechselt, die das Non plus ultra des Rowdytums sind. Man hätte annehmen dürfen, daß damit das Kapitel Peter Müller endgültig abgeschlossen sei. Doch weit gefehlt. Der Verband westdeutscher Faustkämpfer hat eine eigene Auffassung von den Dingen und von sportlichem Anstand; vor allem hat er aber finanzielle Interessen und weiß sehr gut zu würdigen, daß Peter Müller ein Kassenmagnet ersten Ranges ist. Dabei sind es nicht seine boxerischen Künste, sondern seine rüden Manieren, die grauslich anzusehen sind und gute Einnahmen für Box Veranstaltungen sichern. Seit seinem Verschwinden aus dem Ring sind die Kassen der rheinischen Boxveranstalter leer. Also zwingt sozusagen ein boxerischer Notstand dazu, ihn wieder von den Catchern fortzuholen, und das ging nur durch den obenbesagten Beschluß.

Hier aber wollen nun endlich die Sportjournalisten nicht mehr mitspielen. Empörung herrscht in ihren Reihen; ja, sie beschlossen sogar, alle Veranstaltungen, an denen Peter Müller mitwirkt, mit Stillschweigen zu übergehen. "Die Botschaft hör ich wohl, allein ..." Und was wäre damit auch schon gewonnen? Man müßte schon mit schwerstem Geschütz aufwarten! Man sollte über alle Boxveranstaltungen schweigen, solange Peter Müller das umsorgte Lieblingskind des "Bundes deutscher Berufsboxer" ist. Denn: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich werde dir sagen, wer du bist! Daß nicht nur dies, sondern vieles faul in den Reihen der Boxer ist, geht schön aus dem demonstrativen Rücktritt ihres verdienstvollen langjährigen Präsidenten Walter Eckelmann hervor, der seinen Entschluß mit den klassischen Worten begründete, er habe in den letzten, zwei Jahren so viel Unerfreuliches erlebt, daß er jetzt aufhören wolle zu amtieren, um nicht noch den letzten Spaß am Boxsport zu verlieren ...

Da ein Unglück selten allein kommt, hat es auch bei den Radfahrern einen gewaltigen Krach gegeben. Das letzte Berliner Sechstagerennen, das 38. seiner Art im Laufe der Jahre, wurde nach 31 Stunden und nach nur mäßigen Leistungen auf einer Holzbahn, die nur noch Brennholzwert besaß, abgebrochen. Das war auch die höchste Zeit, denn der Bund deutscher Radfahrer hatte das Rennen ohnehin nicht genehmigt, und der Pleitegeier schwebte schon von Anbeginn an durch die Halle am Funkturm. Nur peinlich, daß ausgerechnet der Präsident des Verbandes Deutsche Sportpresse sich breitschlagen ließ, dieses unrühmliche Rennen zu starten. Schon die Mitwirkung der Sportpresse bei einem, sagen wir, ordnungsgemäßen Sechstagerennen erscheint höchst bedenklich – wie viel mehr erst die Unterstützung einer derartigen Veranstaltung, der jeder vernünftige Mensch ihr skandalumwittertes Ende mit Sicherheit voraussagen konnte.