B. P., Stockholm, im April

Deutschland hat seit einigen Jahrzehnten einen keineswegs unwesentlichen "Überschuß an Intelligenz" an das Ausland abgegeben. Man möchte von einem Export an Intelligenz sprechen, angesichts der vielen Hunderte in Deutschland gut ausgebildeter Wissenschaftler, Techniker, Konstrukteure, Chemiker, Physiker, Ärzte, Unternehmer und Kaufleute, die ins Ausland gegangen sind. Während aber Deutschland keine Devisen dafür erhielt, wußte das Ausland mit der willkommenen deutschen Intelligenz oft sehr viel anzufangen.

Beispiele dafür finden wir in Schweden, das ein sozusagen aktives Intelligenzgefälle hat und den hereinströmenden Geisteskräften Nährboden und Entfaltungsmöglichkeiten gab. Nicht allen natürlich, aber doch sehr vielen. Bekannt ist die Atomphysikerin Lise Meitner, die seit vielen Jahren in Schweden arbeitet und inzwischen auch die schwedische Staatsangehörigkeit erhielt. Man weiß ferner, daß Fachleute der deutschen Textilindustrie in der schwedischen Textilstadt Boris beim Aufbau einer sehr tüchtigen und wettbewerbsfähigen schwedischen Konfektionsindustrie sehr aktiv mitwirkten. Ein anderes bemerkenswertes Beispiel las man dieser Tage von der schwedischen Waffen-, Stahl- und Motorradfabrik Huskvarna. Diese Fabrik hat vor einigen Jahren mit der Herstellung von Sinterstahl begonnen und in mehrjährigen, natürlich nicht billigen Versuchen ein Verfahren ausgearbeitet, durch das sie nun zu den führenden Herstellern von Sinterstahl in der Welt zählt. Ihr Produkt ist stärker als Adduzierungseisen, ist billiger herzustellen und verlangt weniger Nachbehandlung. Jeden Monat geht eine große Sendung von Metallpulver nach den USA, wo es zu Sinterstahl gepreßt vor allem in der Kraftwagenindustrie verwandt wird. Das Interessante ist nun, daß die Leitung der Sinterstahlabteilung in Huskvarna in den Händen des deutschen Technikers Dr. G. Zapf liegt, der zusammen mit schwedischen Metallurgen dies umwälzende Verfahren in der Sinterstahlherstellung ausgearbeitet hat.

Die schwedische Fabrik verdient damit nicht nur Dollar. Sie hat auch Lizenzen an Werke in Frankreich, in Italien und – in Deutschland vergeben! 160 v. H. der Weltproduktion an Sinterstahl werden heute von ihr hergestellt. Bei der Entwicklung ihres Verfahrens verwandte aber auch sie als Ausgangsmaterial "importierte Intelligenz".