Nach den Wahlen in Japan ist die Liberale Partei des Ministerpräsidenten Joschida im neuen Abgeordnetenhaus mit 199 Sitzen zwar wieder die stärkste Partei, sie kann aber nicht mehr allein die Regierung bilden. Während die Fortschrittspartei unter dem früheren Außenminister Schigemitsu statt der bisherigen 87 nur mit 76 Abgeordneten vertreten ist, haben die Links- und Rechtssozialisten die Zahl ihrer Mandate von 56 auf 72 bzw. von 58 auf 66 erhöht. Die "Unabhängige liberale Partei" Hatoyamas, die sich von der Liberalen Partei absplitterte, ist mit 35 Abgeordneten vertreten. Die Kommunisten erhielten einen Sitz, während die restlichen 17 Sitze sich auf Unabhängige und kleine Parteien verteilen. Das Wahlergebnis zwingt zur Bildung einer Koalitionsregierung, an deren Spitze der bisherige Ministerpräsident wahrscheinlich nicht stehen wird. Joschida hatte sich in seiner Außenpolitik eng an die Vereinigten Staaten angelehnt und innenpolitisch einen frei wirtschaftlichen konservativen Kurs verfolgt. *

Die "Nationale Partei" des Ministerpräsidenten Dr. Daniel F. Mal an konnte bei den Parlamentswahlen in der Südafrikanischen Union ihre bisherige Mehrheit gegenüber der Vereinigten Opposition mehr als verdoppeln. Trotz der 94 Sitze der Nationalen Partei fehlen der Regierung Malan aber immer noch 13 Stimmen an der Zweidrittel-Mehrheit im Parlament, die für die von Malan gewünschten verfassungsändernden Gesetze, wie z. B. Änderung des Wahlrechts für die Mischlinge in der Kap-Provinz, erforderlich ist. Der Ministerpräsident hofft, diese fehlenden Stimmen von der oppositionellen Unionspartei zu erhalten, die in ihrer politischen Linie nie eine geschlossene Einheit wahrte.

Nach dem Wahlsieg gab Dr. Malan bekannt, daß er und zwei Mitglieder seines Kabinetts an der Krönung der Königin Elisabeth teilnehmen werde. Anschließend will der Ministerpräsident an einer Reise durch Westeuropa der Bundesrepublik einen Besuch abstatten. – Während des Vahlkampfes hatte Dr. Malan in Windhuk, der Hauptstadt des ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, keinen Zweifel an einer grundsätzlichen Revision der Verfügung über die Beschlagnahme deutschen Eigentums in der Südafrikanischen Union gelassen.

Die Amerikaner werden auf der am 23. April beginnenden Pariser Tagung des NATO – Rates durch Außenminister Dulles, Verteidigungsminister Wilson, Finanzminister Humphrey und den Leiter des "Amtes für gemeinsame Sicherheit", Harold E. Stassen, vertreten sein. Auf dieser Tagung wird den Außen-, Verteidigungs- und Finanzministern der 14 Mitgliedstaaten eine Empfehlung des NATO-Militärausschusses vorgelegt werden, wonach die jährliche Bereitstellung von Geldmitteln zum Ausbau des westlichen Verteidigungssystems durch ein drei Jahre umfassendes Verteidigungsprogramm ersetzt werden soll. Ferner wird sich der NATO-Rat mit dem Verteidigungsbudget für das Jahr 1953 befassen. Im Mittelpunkt der NATO-Tagung wird der EVG-Vertrag stehen.

Während 1500 Meter westlich der neutralen Zone Artilleriegranaten einschlugen, wurden am 20. April in Panmunjon die ersten Verwundeten und kranken Kriegsgefangenen ausgetauscht. Die Aktion, bei der 100 alliierte Kriegsgefangene und 500 Nordkoreaner und Chinesen die Austauschlinie überschritten, verlief reibungslos. Insgesamt werden bis zum 20. Mai 600 alliierte und 5800 kommunistische Gefangene ausgetauscht werden. Einen Tag vor dem Beginn des Austausches hatten sich die Verbindungsoffiziere beider Parteien geeinigt, die Waffenstillstands-Verhandlungen am 25. April wieder aufzunehmen. Die Kommunisten haben sich in mehreren Erklärungen zu dem von den Alliierten geforderten Grundsatz bekannt, daß kein Gefangener gegen seinen Willen repatriiert werden darf. Das Oberkommando der Vereinten Nationen hat vorgeschlagen, diejenigen Gefangenen, die die Repatriierung verweigern, in Korea zu belassen und sie dem Gewahrsam der Schweiz als neutraler Macht zu übergeben.

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Die politische Lage im Iran hat sich verschärft. Das Abgeordnetenhaus, das durch ein Gesetz alle Macht auf das Kabinett übertragen und dem Schah die Kontrolle über die Streitkräfte entziehen sollte, ist infolge der Gegnerschaft des Parlamentspräsidenten Kaschani gegen den Ministerpräsidenten Mossadeq beschlußunfähig. Die kommunistische Tudeh-Partei hat sich hinter Mossadeq gestellt, offenbar in der Absicht, gemeinsam mit ihm zunächst den Schah auszuschalten, um sich danach gegen Mossadeq selbst zu wenden, den sie als letztes Hindernis auf dem Wege zur Machtergreifung betrachtet. Mossadeq rückt zwar von der Tudeh-Partei ab und läßt die Polizei mit der Waffe gegen kommunistische Demonstranten vorgehen, er konnte aber bisher nicht verhindern, daß die Unruhen im Lande immer größeren Umfang annehmen.