I. Die Afrika-Front zwischen Weiß und Schwarz Die Kikuju griffen zur Panga

Von Ivonne von Kuenheim

Schon auf dem Schiff von Venedig nach Mombassa sprachen sie viel von Mau-Mau. Aber Kenia war noch fern und Mau-Mau nur wie ein Schatten, der vorausfiel, denn diese Passagiere des Lloyd Tricstino kehrten alle von monatelangem Europa-Urlaub nach Afrika zurück. Alle etwas herabgestimmt, denn die meisten Engländer leben nur mit halbem Herzen "draußen", und going home ist der heiß ersehnte Silberstreif, der nur alle paar Jahre ihren Horizont säumt. Noch war man auf dem Schiff. Noch konnte man lachen über Mau-Mau, und die junge Dame, die beim Abschiedsmaskenball als Negerin verkleidet erschien, erntete jubelnden Beifall: "Mau-Mau" ...

Dann kam das Ziel Mombassa, der weitaus schönste Hafen dieser Reise, mit seinem riesengroßen, natürlichen Becken, von Palmenwäldern umsäumt, in denen sehr luxuriöse kleine Bungalows auf smaragdgrünen Rasenplätzen träumen. Am Kai Lagerhäuser ohne Zahl. Hier besteigt man die Bahn, die einen nach Nairobi führt, über die endlose Steppe, diesen gigantischen Zoo. Gazellen und Antilopen äsen ungeniert in der Nähe des Bahndamms. Herden von Gnus, Straußvögel und Zebras weiden auf dem kurzen harten Gras.

Nairobi, die "Mau-Mau"-Zentrale, kündigt sich mit äußerst jämmerlichen Unterkünften aus Kistendeckeln und Wellblech an. Dann geht es an großen Schuppen vorbei, an steinernen und hölzernen Lagerhäusern, in einen Bahnhof, der sehr europäisch anmutet. Viele Weiße warten in der Halle, um ihre Angehörigen abzuholen. Draußen beherrschen Taxis und Privatautos das Straßenbild.

Diese Stadt ist schnell gewachsen. Es gibt elegante Läden und Hotels, zwischen Kairo und Johannesburg findet man nicht ihresgleichen. Ist es die Erinnerung an die Gespräche an Bord, ist es die Lektüre der Zeitungen? Man glaubt, die Spannung fühlen zu können, die hier herrscht. Die Neger, die man sich heiter und lächelnd gedacht hat, sehen mißmutig und verdrossen aus.

Gleich hinter dem Zentrum beginnt die Inderstadt. Lange Reihen von kleinen Läden, unbeschreiblich angefüllt mit Waren für den täglichen Bedarf der Schwarzen, mit Stoffen von barbarischen Mustern und Farben, wie die eingeborenen Frauen sie so gern tragen, Farben, die zu ihrer dunklen Haut unter der grellen Sonne herrlich stehen. Es gibt offenbar in Europa eine reiche Industrie, die nur dafür arbeitet, die armen Afrikaner mit billigen Stoffen zu beliefern und mit tausend anderen Dingen, die nichts als Schund sind.