Wirklich "zutiefst enttäuscht" waren die Müller der rund 16 000 Mühlen in der Bundesrepublik, als sie feststellen mußten, daß im neuen Getreidepreisgesetz für das Wirtschaftsjahr 1953/54 wieder "von-bis-Preise" verankert sind, statt der geforderten Rückkehr zu Festpreisen. Der Protest fiel daher entsprechend scharf aus. Überhaupt ist von dem Fünf-Punkte-Programm der Mühlen – trotz vorheriger interner Zusicherung – nichts übriggeblieben. Das Programm sah Festpreise für Getreide und für Mühlenprodukte, eine Revision des Getreidegesetzes, die Mühlenkontingentierung und eine Investitionskontrolle vor.

Was die Mühlen mit Recht befürchten, ist das große "Mühlensterben", ein ruinöser Wettbewerb, da eine enorme Überkapazität vorhanden ist, die doppelt und dreifach ausreicht, um den deutschen Bedarf an Mühlenprodukten zu decken. Es wird meist in der Diskussion um die Mühlenkapazität großzügig übersehen, daß sie schon vor dem Kriege da war; nur haben Krieg und Nachkriegszeit im Zeichen der Knappheit und fehlgeleiteter Investitionen sie noch vergrößert. Hinzukamen die Zonentrennung und der Verlust der deutschen Kornkammern im Osten. Westdeutschland dürfte heute das Land mit den meisten Mühlen sein. Nicht zuletzt aber trägt die Zweigleisigkeit auf dem Getreidegebiet hier die Schuld – halb Marktwirtschaft und halb staatliche Reglementierung...

So gehen die vornehmlich im Binnenland – und damit frachtungünstig – liegenden Mühlen schwierigen Zeiten entgegen. Der Ruf nach dem Schutz durch den Staat liegt daher wieder einmal nahe. Ein Ausweg könnte sich gegebenenfalls im kommenden Kartellgesetz bieten –, wenn es verabschiedet wird. Eine solche Lösung erscheint immer noch sinnvoller und dem Wettbewerbsgedanken als dem Kern der Marktwirtschaft eher zuträglich, als die Rückkehr zu einer Form, die im Grunde nichts weiter als die nackte Zwangswirtschaft ist, verbrämt aber als "Kontingentierung mit Festpreis" bezeichnet wird. gg.