Seit 1951 nimmt Deutschland im Welthandel mit feinmechanisch optischen Erzeugnissen knapp v>r den USA wieder die erste Stelle ein. Das war nir möglich, weil das Vertrauen der ausländischen Fichleute in diese deutschen Präzisionserzeügnisse niemals enttäuscht worden ist. Im Gegenteil ist als ein bezeichnendes Positivum zu werten, daß das technisch anspruchsvollste Land der Welt, nämlich die USA, bei weitem der größte Abnehmer deutscher feinmechanisch optischer Erzeugnisse ist. Wirt- sciaftspolitisch steht die deotsdieFeinmechanik und Optik klar auf dem Boden eines freien und ungehinderten Leistungswettbewerbs. Sie hat sich daher damit einverstanden erklärt, daß das gesamte Gebiet Feinmechanik und Optik hinsichtlich seiner Einfuhr liberalisiert und gleichzeitig auch der Zoll nur in einer äußerst germr gen und sich lediglicbförmell auswirkenden Höhe festgesetzt worden ist.

Hierbei kann es sich na türlich nur wm eine zeitweilige Vorleistung handeln. Diese Zustimmung hat die bestimmte Erwartung zur Voraussetzung, daß die übrigen Handelspartner sich im Laufe der Zeit zu einer gleichen Auffassung bekennen. Diese Haltung vertreten die deutschen Werke in erster Linie im Hinblick auf ihre Mitarbeiter, denen es einen zu sichern gilt.

Die günstige Exportentwicklung wurde seit dem letzten Jahr durch zwei Schwierigkeiten behindert: Einmal nimmt der Fiskus durch seine steil progressive Besteuerung den Werken diejenigen Mittel weg, die sie für Forschungs- und Ehtwicklungsaufgaben dringend brauchen. Man sollte bedenken, daß z. B. Amerika bei relativer Betrachtung das Zehnfache dessen für Forschungszwecke ausgibt, was in Deutschland zur Zeit aufgewendet wird. Nur die Nutzbarmachung der deutschen Geisteskapazität kann aber die deutsche Existenz auf die Dauer sichern. Deutschland ist zu arm, um sich hier ein Braclliegen der Kräfte leisten zu können. Der Mangel ai Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten ist dsher eine ernste Sorge dieser mit der deutschen Forschung sehr eng verbundenen Industrie. Das zweite Handicap sind die Exporthindernisse auf dem Gebiet der Währungspolitik. Wenn die deutsche optische Industrie gegenwärtig und:in den nächsten Monaten in der Lage wäre, ungehindert die aus dem Ausland auf sie zukommende Nachfrage zu befriedigen, brauchte sie für", dieweitere Entwicklung ihres Exportes keine Furcht zu haben. Besorgnis bereitet aber die Tatsache, daß aus Gründen, die außerhalb der kommerziellen Einflußsphäre liegen, mühsam hereingebrachte Exportorders in Zunehmendem Maße nicht verwirklicht werden können. Brasilien, um nur einen der bedeutenden überseeischen Märkte zu nennen, ist dafür ein typisches Beispiel. Aber auch auf dem europäischen Markte sieht es nicht viel anders aus. In der Vorkriegszeit waren England und Frankreich bei weitem die bedeutendsten Abnehmer der deutschen feinmechanisch optischen Industrie. Die Nachfrage nach deutschen Produkten dieser Art ist heute in beiden Ländern unverändert groß ,Ihre restriktive Einfuhrpolitik hat aber dazu geführt, daßdäs Geschäft mit diesen Märkten in den letzten Jahren zum Leidwesen der dortigen Kunden und der deutschen Firmen fast völlig zum Erliegen gekommen ist. Langjährigen und mit nicht unerheblichen Mit,steki "aufgebauten GeschäfKvtjbincUangen droht die Zerstörung Ähnlich hindernd wirken auch die bekannten, noch immer bestehenden Hemmnisse auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes. Sie belasten die Exportbemühungen der deutschen Werke mit einem sehr unangenehmen Unsicherheitsfaktor.

Wenn dieWerke der deutschen Feinmechanik und Optik sich in diesem Jahr in so großer Zahl an der Technischen Messe Hannover beteiligen, so tun sie das in der Absicht, in einem fairen Wettbewerb ihren ausländischen Freunden ihr Leistungsvermögen darzulegen. Sie tun dies gleichzeitig in der Erwartung, daß die wirtschaftspolitische Führung alles daran setzen möge, um die dabei angebahnten Verbindungen zum Nutzen aller Beteiligten voll realisieren zu können. Es ist ihr Wunsch, möglichst bald in die Lage versetzt zu werden, die Nachfrage ihrer ausländischen Freunde ungestört zu befriedigen und damit wie bisher einen guten Beitrag für die Stabilisierung der internationalen Gesamtwirtschaft zu leisten. Heinrich v d. Trenck