Die infolge der politischen Entwicklung der letzten Wochen hervorgerufene neue Unsicherheit über die zukünftige Gestaltung der Rohstoff- und Lebensmittelmärkte hat sich noch immer nicht gelegt. Es besteht immerhin die Möglichkeit, daß es über kurz oder lang zu einer endgültigen Entspannung der politischen Lage kommt. Dann aber werden weitere Vorratskäufe Strategie scher und anderer Rohstoffe, in USA und anderen Ländern überflüssig. Und da bei einer größeren Zahl dieser Materialien, vor allem bei Metallen und Kautschuk, die jetzige Produktion den Friedensbedarf weit übersteigt, so können neue Preisrückgängen nicht ausbleiben, selbst wenn de Aufrüstung noch überall in dem gleichen Tempo und Umfange weiterbetrieben werden würde wie bisher. Diese Überlegungen haben die schon länger bestehende Kaufzurückhaltung der Verbraucher noch verstärkt und zu einer neuen Flaute auf den meisten Märkten geführt. Gelegentliche stärkere Kaufbevegungen sind in der Hauptsache auf Eindeckungen der Baissiers zurückzuführen. Auf der anderen Seite sind von der zünftigen Spekulation im Fernen Osten umfangreiche Positionslösungen vorgenommen worden, die erhebliche Preisrückgänge für Zinn und Kautschuk zur Folge gehabt haben.

Große Überraschung hat die Tatsache erregt, daß das Weltweizenabkommen nach über 8 Wochen andauernden Verhandlungen schließlich doch noch zustande gekommen ist, obwohl die Verhandlungen zuletzt als aussichtslos angesehen wurden. Von den 46 Mitgliedsstaaten des Weltweizenrates haben alle, mit Ausnahme von England, dem Vertrage und damit der neuen Preisvereinbarung zugestimmt, die einen Höchstpreis von 2,05 $ und einen Mindestpreis von 1,55 $ je bushel von 27,2 kg gegen bisher 1,80 und 1,20 $ vorsieht. Großbritannien will nicht mehr als 2 $ zahlen und hält eine Erhöhung überhaupt für ungerechtfertigt, da der im alten Abkommen festgesetzte Höchstpreis der gegenwärtigen Marktlage entspräche. Trotz der im laufenden Getreidejahre und voraussichtlich auch im kommenden Jahre besonders günstigen Versorgungslage – USA, Kanada und Argentinien haben Großernten hereingebracht und Australien rechnet diesmal sogar mit einer Rekordernte – werden wir also in Zukunft 25 $cts mehr für unseren Einfuhrweizen aus den Vertragsländern bezahlen müssen. Von der Bundesrepublik ist für das kommende Jahr ein niedriger Einfuhrbedarf aus den Vertrags-

ländern angemeldet worden, so daß wir in der Lage sind, größere Mengen als bisher aus anderen Ländern zu beziehen, mit denen wir Handels- oder Austauschabkommen vereinbart haben. Es ist übrigens in den letzten Wochen bereits ein fünfjähriges Handelsabkommen mit der Türkei geschlossen worden, wonach Westdeutschland jährlich 800 000 t Weizen von dort kaufen und dafür landwirtschaftliche Maschinen und Werkzeuge liefern wird.

Der Welt- Zuckerpreis, der während der Baisse bis auf 3,12 $cts loco zurückgegangen war, hat in der letzten Zeit kräftig angezogen. Der Stimmungsumschwung hat anscheinend mit dem ersten Bekanntwerden der Verhandlungen Kubas mit Großbritannien über den Kauf von 1 Mill. t Zucker begonnen, der in den letzten Tagen zum Abschluß gekommen ist. 600 000 t werden noch in diesem Jahre zu dem niedrigen Preise von 2,75 $cts frei Schiff Kuba geliefert werden. Der Rest folgt 1954 zu einem Preise von 3,08 Sets. Anfang Mai wird in New York mit den ersten Besprechungen über ein neues internationales Zuckerabkommen begonnen werden. Gedacht ist dabei an ein ähnliches Abkommen wie das Weizenabkommen mit Abnahme- und Lieferquoten und festgesetzten Höchst- und Mindestpreisen.

Zu den am stärksten von der Friedensoffensive beeinflußten Preisen gehört zweifellos derjenige für Naturkautschuk, der in London von 23 d bis auf 19 7/8 d am 14. April zurückging und jetzt auf 20,37 d steht. Naturkautschuk wird somit heute schon billiger gehandelt als synthetischer Kautschuk. Es besteht eine enorme Überproduktion, die bisher nur infolge der großen Vorratskäufe von seiten der Regierung nicht voll zur Aurwirkung gekommen ist. ol