In der vergangenen Börsenwoche wurde deutlich demonstriert, daß Dividenden von 4 oder 5 v. H. heute einen Pari-Kurs nicht mehr rechtfertigen. Gemäß den neuen Maßstäben muß eine Gesellschaft schon 6. v. H. bieten, wenn sie ihren Kurs um 100 v. H. halten und damit emissionsfähig sein will. Nach dem Fallenlassen des Gedankens der Substanzsicherung richtet sich jetzt die Kapitalanlage fast ausschließlich nach der günstigsten Rendite – und die kann angesichts der augenblicklichen Steuergesetzgebung bei den Aktien nicht erreicht werden. Die erheblich begünstigten staatlichen Anleihen haben nicht nur die Schwerpunkte innerhalb des Rentenmarktes verschoben, sie wirken sich jetzt auch spürbar auf das gesamte Aktienniveau aus. In Anbetracht der veränderten Lage wird es den privaten Unternehmen immer schwerer, sich über den Kapitalmarkt neue Mittel zu verschaffen.

Die Diskussion über die Herabsetzung des Kurses für neu zu begebende DM-Pfandbriefe geht hinter den Kulissen weiter, wobei es scheint, daß einige norddeutsche Institute eine Reduzierung von 98 auf 94 v. H. befürworten, während sich die bayerischen und württembergischen Hypothekenbanken gegen eine solche Maßnahme mit dem Hinweis sträuben, daß sie auf der augenblicklichen Basis noch laufend Pfandbriefe absetzen und infolgedessen eine Veränderung des Kurses unnötig sei. Ganz gleich, zu welcher Lösung man hier schließlich kommen wird, die 8 v. H. Bayerischen Schatzanweisungen werden vorerst der "Schlager" des Rentenmarktes bleiben.

Am Aktienmarkt hat es wieder einmal gebröckelt. Die Kurse nähern sich Jetzt dem gleichen niedrigen Stand, von dem die kleine Osterhausse ihren Ausgang genommen hat. Die Nachricht von den überhöhten Forderungen für einen deutschen Rüstungsbeitrag wog schwerer als das weitere Ansteigen des Produktionsindex oder die Dividendenankündigungen und Dividendenerhöhungen einiger namhafter Industrieunternehmen. Es werden zahlen: Zeiß-Ikon und Brunsviga je 8 v. H., Dt. Werft und Kölsch-Fölzer je 6 v. H., Degussa 5 v. H. Deutsche Linoleum und Heidelberger Zement tragen sich mit der Absicht, je 6 v. H. zu zahlen.

Das Rätselraten um die Großbanken-Dividenden ist allmählich überholt. Wenn man davon ausgeht, daß die Nachfolgeinstitute der Dt. Bank wahrscheinlich 6 v. H. ausschütten werden, so darf man vermuten, daß die anderen Banken gleichziehen und ihre Rendite auf der gleichen Höhe liegen wird. Alle Papiere notieren. noch immer unter Pari, obgleich die Bilanzen trotz der Dividendenverteilung ein Anwachsen der Reserven offenbaren dürften. Im Vordergrund des Interesses lagen weiterhin die Reichsbankanteile, für die in nächster Zeit ein Abfindungsangebot erwartet wird. Ihr Kurs hielt sich mit 59 1/2 v. H. fast unverändert.

Am Montanmarkt gaben die Aktien der Mannesmann-Nachfolgegesellschaften ihre auf Grund der Dividendenankündigung von 3 v. H. plus 1 v. H. für das Rumpfgeschäftsjahr erzielten Kurssteigerung zum größten Teil wieder her. Auch die übrigen Werte konnten sich der rückläufigen Tendenz nicht entziehen. Eine Ausnahme bildeten lediglich Eisen und Hütten, die leicht von 74 auf 75 1/2 v. H. anzogen. – IG-Farben gaben bei kleinen Umsätzen auf 88 v. H. nach; Auslandskäufe erfolgten hier nicht mehr. Von den chemischen Werten kamen nur Dynamit Nobel zum Zuge, die zu 114 bis 113 v. H. schlossen.

Von den Standardwerte, der Hanseatischen Wertpapierbörse wurden Hamburger Hochbahn auf der Basis von 73 3/4 v. H. lebhaft umgesetzt. Auch für HEW bestand einiges Interesse, da hier in nächster Zeit mit dem Ergebnis des am 30. 6. 1952 abgelaufenen Geschäftsjahres zu rechnen ist. Die bereits erwähnte Dividende von 6 v. H. bei der Dt. Werft traf die Börse zum Wochenschluß völlig überraschend, so daß noch keine Gelegenheit war, den Kurs von 76 v. H. der neuen Lage anzupassen. Am Schiffahrtsmarkt lagen Nordd. Lloyd mit 29 v. H. im Angebot. Die Gesellschaft hat ihr AK zwar in der Relation 1:1 umgestellt, doch geschah das unter Zuhilfenahme eines beträchtlichen Kapitalentwertungskontos, so daß die niedrige Bewertung nichts ungewöhnliches darstellt. Anders liegt dagegen der Fall bei der Ruberoidwerke AG, deren AK ebenfalls in voller Höhe übernommen wurde. Wenn der Kurs hier neuerdings mit 35 B erscheint, so ist das immerhin bemerkenswert und die Gesellschaft darf sich nicht wundern, daß ein solcher Stand zu allerlei unerfreulichen Gerüchten Anlaß gibt. Ein wenig Publizität könnte die Dinge hier wieder in das rechte Licht stellen. Von den norddeutschen Brauereien setzten Kieler "Eiche" ihre Aufwärtsbewegung auf 52 (45) v. H. fort. -ndt