Werden die Dollarbeträge wieder fließen? Diese Frage interessiert den Wirtschaftler vor allem bei den gegenwärtigen Debatten über den großen politischen Erfolg der Amerikareise des Bundeskanzlers. Nicht unerwartet war vor einem Jahr der Dollarstrom zum Versiegen gekommen. Bis Mitte 1952 hatte Deutschland etwa 3,3 Mrd. $ über Garioa und Marshallplan erhalten. Das war eine entscheidende Hilfestellung. Aus dem "Dollartopf" der amerikanischen Auslandshilfe, der in dem jetzt auslaufenden Finanzjahr mit 5,5 Mrd. $ noch ganz gut gefüllt war, haben wir aber praktisch fast nichts mehr bekommen. Die deutsche Wirtschaft gilt als genügend konsolidiert. Wie sehr uns auch Vorstellungen dieser Art schmeicheln könnten, so zeigt doch anderseits die Lage des Kapitalmarktes, wie nützlich solche Zuflüsse wären.

Mit dem Wahlsieg der Republikaner haben sich die Aussichten, daß die Auslandshilfe wieder reichlicher fließen würde, kaum gebessert. Die neuen Herren halten nichts von Kreditspritzen. Dagegen haben sich die Aussichten gebessert, daß aus anderen quasiöffentlichen Quellen geschöpft werden kann. Die Export-Import-Bank hat uns schon einige beachtliche Hilfestellungen gewährt. Die Weltbank prüft die Möglichkeiten einer Kreditgewährung. Die Aussichten scheinen günstiger zu sein, als die auffallend reserviert klingenden Verlautbarungen vermuten lassen. Optimisten hoffen, daß wir noch vor Ende des Jahres zu konkreten Ergebnissen kommen, um so, Zug um Zug, 100 oder gar 150 Mill. $ (und nach einiger Zeit vielleicht bis zu 250 Mill. $) verfügbar zu erhalten.

Wie steht es nun mit privaten Krediten? Die Gespräche hierüber befinden sich im allerersten Anfangsstadium. Sie betreffen vor allem vier Problemkreise: Sicherung des Transfer, politisches Risiko, Steuergesetzgebung und Gefahren sozialistischer Experimente. Von deutscher Seite kann und wird sicherlich manches geschehen, um einige dieser Fragen zu klären. Die baldige Ratifikation des Londoner Schuldenabkommens würde uns einen wesentlichen Schritt voranbringen. Ein Doppelbesteuerungsabkommen und der Vorvertrag über die Verlängerung des Handelsvertrages von 1923 wären weitere wichtige Etappen. Schwieriger ist die Frage des politischen Risikos, zumal Garantien der MSA und anderer Stellen (oder steuerliche Erleichterungen) wohl nicht mehr so großzügig gewährt werden, wie es zeitweilig geplant war. Außerdem ist dies eine europäische Frage. Nicht nur in Deutschland sollte man sich darüber im klaren sein, daß die erwünschte Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen mit Amerika auch von dem Schicksal der amerikanischen Europapolitik abhängt. Ein wunder Punkt ist die Sorge wegen sozialistischer Experimente. Wir erinnern an die entsprechende Begleitmusik bei dem großen englischen Nachkriegskredit. Die Frage der Mitbestimmung interessiert in diesem Zusammenhang in den USA sehr stark.

Bei einem günstigen Verlauf dieser und ähnlicher Besprechungen wird man Betriebskredite erwarten können: am ehesten auf der know-how-Basis, in engster Verbindung von Betrieb zu Betrieb, wie etwa zwischen Firestone und Phoenix. An langfristige Investitionskredite aber ist in absehbarer Zeit noch nicht zu denken. G–pp.