Das Satyrspiel von der "Synchronoptischen Weltgeschichte" des Ehepaares Peters

Von Christian E. Lewalter

"Es ist im Leben häßlich eingerichtet, daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn ..."

Joseph Victor v. Scheffel, "Der Trompeter von Säckingen"

Das war der Schlager der Frankfurter Buchmesse 1952: An der Schmalseite eines der langen, in Kojen abgeteilten Gänge standen frei im Raum ein Tisch und ein Pult mit dem Schild "Universum-Verlag". Die Besucher mußten daran vorbeigehen, wenn sie in den nächsten Pavillon wollten. Sie blieben auch gerne stehen, denn es empfing sie ein liebenswürdiges junges Paar von ausgezeichneten Umgangsformen, unaufdringlich, zu jeder Auskunft bereit und Vertrauen erweckend: Dr. Arno Peters und seine Gattin Dr. Anneliese Peters, wohnhaft mit vier Kindern in Säckingen im Oberrhein, nunmehr aber nach Frankfurt aufgebrochen, um den Messegästen die Frucht zwölfjähriger gemeinsamer Arbeit vorzuführen: ihre "Synchronoptische Weltgeschichte". Ein Exemplar lag auf dem Pult aus, ein anderes war, in einzelne Blätter zerschnitten, an die Wand geheftet. Schon der erste Anblick frappierte: jede aufgeschlagene Doppelseite war in hundert senkrechte Felder, abwechselnd hell- und dunkelgrau, abgeteilt und am unteren Rande durch eine Jahreszahl bezeichnet; über diesen Raster waren im oberen und unteren Drittel jeder Doppelseite kleine farbige, meist senkrecht stehende Schrifttafeln gelegt, auf denen für die einzelnen Jahre Ereignisse mitgeteilt werden: materielle Kultur grün, geistige Kultur blau, Politik rot, Militärisches beige, Revolutionäres rouge. Das mittlere Drittel ist von quergestellten Schrifttafeln durchzogen; ihre Texte sind Kurzbiographien, die Breite richtet sich nach der Lebensdauer der verzeichneten Person (so daß also der langlebige Bernard Shaw dreimal soviel Platz zur Verfügung hat wie Alexander der Große), So werden auf dreißig Doppelseiten 3000 Jahre Weltgeschichte höchst übersichtlich ausgebreitet. Der Benutzer kann mit einem Blick feststellen, welche Ereignisse sich zur gleichen Zeit in China, in Arabien und in Europa abgespielt haben, und ein genaues Register berät ihn für den Fall, daß er über die Jahreszahlen im unklaren ist.

Ein kunstvolles und sich schmuck präsentierendes Legespiel, das universelle Belehrung verhieß – der Messeerfolg konnte nicht ausbleiben. Das liebenswürdige Autorenpaar aus Säckingen strahlte. Nur einer stimmte in den Chor nicht ein. Das war ein Berliner Verleger, der sich seit Jahren bemüht, für die Bändchen seines gleichfalls in Tabellenform angelegten "Kleinen Kulturfahrplans" die Unterstützung der Schulverwaltungen zu erhalten. "Warum", fragte er, auf das Ehepaar zeigend, "werden die da finanziert und ich nicht?"

Daß die "Synchronoptische Weltgeschichte" zur Frankfurter Messe ausgedruckt vorlag, war nämlich nur dadurch möglich gewesen, daß vier Unterrichtsverwaltungen der Bundesrepublik – Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen –, ferner die Erziehungsabteilung des Hicog, durch Vorausbestellungen von 25 820 Exemplaren für Schulzwecke die finanzielle Basis geschaffen hatten. Der "Universum-Verlag" (Inhaber Dr. Arno und Dr. Anneliese Peters) konnte die Auflage so hoch ansetzen, daß sich das Werk bei einem Ladenpreis von 24,– DM rentierte.