Auf einem wiederum vergrößerten Gelände, mit viel Aufwand und in Erwartung abermals steigender Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr, hält die Technische Messe Hannover als zweiter Teil der Deutschen Industriemesse 1953 seit Sonntag ihre Tore offen. Von den 2554 (im Vorjahr 2636) Ausstellern – davon 141 international maßgebende Firmen aus 14 europäischen und überseeischen Ländern – stellt der Maschinenbau das größte Kontingent (der VDMA spricht von der größten Maschinenschau auf deutschem Boden seit Kriegsende). Die Elektroindustrie, die auf dieser Messe ihre aus eigenen Mitteln erbaute zweistöckige Ausstellungshalle in Betrieb genommen hat (in der Tat eine Sehenswürdigkeit auch im internationalen Vergleich), steht mit 800 Wettbewerbern an zweiter Stelle. Bemerkenswert: der in diesem Jahr nahezu geschlossene Aufmarsch der Gruppe Feinmechanik und Optik, die offenbar besonders gut im internationalen Markt liegt, und die Tatsache, daß die Herstellerwerke für Ziegelei- und feinkeramische Maschinen erstmals nach 15 Jahren wieder auf einer deutschen Messe vertreten sind. Die Gruppe Bürobedarf ist gegenüber dem Vorjahr auf 321 von 206 Anbietern zurückgefallen.

Im äußeren Bild und in der allgemeinen Tendenz läßt sich das Streben nach geschlosseneren Formen und damit verbunden nach formschöner Gestaltung nunmehr auch in der Produktionstechnik erkennen.

An die Stelle globaler und umwälzender Neuheiten ist die Verbesserung und Verfeinerung der Maschinerie und der technischen Verfahren getreten. Damit vollzieht die technische Entwicklung ihre Anpassung an die Struktur der Märkte die nunmehr – und ganz besonders auf dem Gebiet der Investitions- und Produktionsgüter – vom Willen des Käufers bestimmt werden. Nach der forcierten Wiederherstellung und dem Ausbau der Kapazitäten sind jetzt die Modernisierungs- und Rationalisierungsinvestitionen in den Vordergrund getreten. Schon nach den ersten Messetagen bildet sich in Hannover das einhellige Urteil, daß in den vergangenen Monaten in dieser Richtung erstaunliches in den Konstruktionsbüros geleistet worden ist. Geteilter sind die Meinungen über die Verkaufsaussichten. Während etwa die Gruppen Elektroindustrie oder Feinmechanik und Optik mit zwar nicht immer ausgesprochenem aber doch spürbarem Optimismus in die neue Saison gehen, hörte man in der Halle der Chemie, in der sich wieder wie im Vorjahr alle namhaften Firmen dieser Branche zusammengefunden haben, vor allem aber aus dem Munde der Maschinenbauer, manche Worte der Sorge. Von den Sprechern dieser (dem Werte nach) im Export führenden Branche ist in Hannover zu hören, daß man sich wohl in der Qualität mit Gelassenheit dem Ausland stellt, aber größte Mühe habe, in den Preisen mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten. Die deutschen Firmen seien durch die seit etwa einem Jahr eingetretene Verschlechterung der Kostenlage (Eisen- und Stahlpreise, Löhne, Kreditkosten, Steuern) erheblich benachteiligt.

Ob und wieweit diese ungleichen Startbedingungen, die durch exportfördernde (und damit wettbewerbsverfälschende) Maßnahmen des Auslandes zu unseren Ungunsten noch verstärkt werden, in Hannover zur Auswirkung kommen werden, wird erst der weitere Verlauf der Messe zeigen. Den Hoffnungen (und auch den am Vorabend des Messebeginns ausgesprochenen Forderungen) nach Staatshilfe setzte aber der Bundeswirtschaftsminister, der die Messe eröffnete, insofern einen starken Dämpfer auf, als er wohl nicht von ganz ungefähr erklärte, daß er im Grundsatz gegen diese "fluchwürdigen Methoden im Außenhandel" sei. Er sehe den Ausweg so, daß in internationalen Gesprächen (die von ihm schon eingeleitet seien) auch die anderen Länder veranlaßt würden, "auf jedwede Maßnahmen der Exportförderung zu verzichten".

Der Beifall, den Erhard bei seinen Zuhörern fand, mag so etwas wie ein gutes Omen für den 5. Mai sein, an dem die Technische Messe 1953 ihre Erfolgsbilanz vorlegen wird. Auch die Messe 1952 stand, wenngleich wohl in klarerer konjunktureller Situation, am Anfang im Zwielicht geteilter Erwartungen. Sie endete jedoch mit der Überraschung eines eindeutigen Erfolges. kr.